Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Palästina vor der Mandatskommission
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 358 (sequence 26)
- Language
- German
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358 mittelbare Verständigung zwischen Juden und Arabern sei möglich'. Im Interesse einer solchen Verständigungspolitik prüft die Regierung Möglichkeiten einer Entwicklung der Verfassung, die sowohl für Juden, wie für Araber annehmbar sein könnte. Die Möglichkeiten des Erfolges einer systematischen Annäherung zwischen Juden und Arabern werden auch von Luke nicht ungünstig beurteilt. Er lehnt zwar die Benutzung des Einflusses auswärtiger arabischer Fürsten ab, das sei Seiner Majestät Regierung nicht würdig, aber er zeigt andere Möglichkeiten der Annäherung, insbesondere verweist er auf gemeinsame Handelskammern. Er erwähnt auch den brith schalom.114) Dagegen kommt er in die Lage, gegenüber lebhaft vorgetragenen Wünschen nach einer gemeinsamen Erziehung115), das getrennte Schulsystem zu verteidigen. Mit dem Ziele, der Verständigung zu dienen, rechtfertigt die Regierung auch ihr eifriges Bemühen um den Ruf der Unparteilichkeit. Shiels erklärt einmal, daß es weniger wichtig erscheine, immer ein richtiges Urteil über jede Handlung der beteiligten Parteien zu fällen, als dem Frieden in der Zukunft zu dienen, für den die Feindschaft zwischen Juden und Arabern die größte Gefahr bilde. In seinem Interesse müsse die Regierung jeden Eindruck von Parteilichkeit im Kampfe der Nationen vermeiden.116) In seiner Schlußrede betonte er nochmals die fundamentale Bedeutung der Verständigung: Alle Verbesserungen der Verwaltung würden allein nichts ausrichten, wenn es nicht zu irgendeiner Cooperation zwischen den beiden Völkern komme.117) 13. Die Kommission hat in dieser Palästina-Tagung wieder einmal gezeigt, mit welchem Ernst sie ihre Kontrollfunktion ausübt. Die Scheu vor der Souveränität, die manche früher als ein Hindernis für eine wirksame Ausübung der Mandatskontrolle des Völkerbundes ansahen, ist in der Mandatskommission gründlich überwunden. Die Regierung hat keinen leichten Stand. Kein einziges Mitglied sekundiert ihr oder schwächt die Kritik ab, aber sie muß sich eine Fülle unangenehmer Vorwürfe anhören. Bei der Behandlung der Klagemaueraffäre wird geradezu der Ausdruck Parteilichkeit gebraucht.118) Dem High Commissioner wird vor- 114) Seite 77. 115) Seite 110 f, 112 (die Schwedin Dannevig und de Penha Garcia). 116) Seite 15. 117) Seite 86. 118) Seite 22.