Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Palästina vor der Mandatskommission
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 357 (sequence 25)
- Language
- German
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die Regierung nichts näheres, abgesehen von ihren wiederholten 357 Hinweisen auf den erhofften modus vivendi. Eine Anregung von Lugard, eine beratende Körperschaft aus dem jüdischen Nationalrat und einen entsprechenden mohammedanischen Rat zu bilden, wird nicht sehr bereitwillig aufgenommen.108) Die früher geplante Errichtung eines landwirtschaftlichen Rates mit gemeinsamer Beteiligung von Arabern und Juden ist nicht ausgeführt worden.109) Die Ausbildung der Selbstverwaltung auf dem Wege der Beteiligung der Bevölkerung an beratenden, insbesondere fachlichen Körperschaften, ist also nicht weiter verfolgt worden. 12. Bei jedem konstruktiven Programm bleibt die Frage der Beziehung zwischen Juden und Arabern ein besonderes Problem. Bei der Untersuchung dieses Gebietes werden in der Kommission optimistische Aeußerungen der Regierung aus früheren Jahren den Ereignissen des Jahres 1929 gegenübergestellt. Aber Shiels bleibt auch diesmal bei der Ansicht, daß diese Erklärungen nicht unbegründet gewesen wären.110) Er ist auch für die Zukunft nicht pessimistisch. Er sucht sich nicht durch Illusionen über die Tatsache der beiderseits feindseligen Stimmung hinwegzutäuschen, er glaubt, daß die Araber die Juden als fremde Eindringlinge betrachten, und er weist die Juden auf ihre Aufgabe hin, sich den Gewohnheiten und Gefühlen der Araber anzupassen, um menschliche Spannungen zu vermeiden, welche Aufgabe übrigens nach seiner Meinung den zionistischen Führern sehr klar ist.m) Die Schwierigkeiten, die sich aus den Verschiedenheiten von Sprache, Tradition und Lebensführung ergeben, werden nicht verkannt.112) Aber er rechnet doch gerade nach den Verhandlungen mit der arabischen Delegation in London mit der Möglichkeit, daß die Araber,, ohne ihren Widerspruch gegen das Mandat formell aufzugeben, sich mit einem modus vivendi einverstanden erklären würden, der die Ausführung des Mandats in der gegebenen Form zulasse.113) Die Entschlossenheit der Regierung zur Ausführung des Mandats hätte eine Anzahl von Arabern von der Unzweckmäßigkeit ihrer intransigenten Haltung überzeugt. Auch eine un- 108) Seite 92. 109) Seite 105. 110) Seite 22. m) Seite 47. 112) Seite 108. 113) Seite 45 ff.