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Palästina · 1930-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1930) · p. Seite 354

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1930)
Article
Palästina vor der Mandatskommission
Date
1930-10-01
Page
Seite 354 (sequence 22)
Language
German
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354 verkannt.93) Diese macht nur den bedeutungsvollen Zusatz, daß die Verfasser der Balfour-Deklaratioh und des Mandats sich sicher darüber klar gewesen wären.9i) Die Ereignisse des Jahres 1929 haben den Ernst dieses Problems aufs äußerste verschärft. Sie führten notwendigerweise zu einer politischen Krise, deren eigentlicher Inhalt von Anfang an die Frage war, ob die Inhaber der Macht über Palästina auch in Zukunft von der Vereinbarkeit beider Aufgaben des Mandates ausgehen oder etwa ihre Ünvereinbarkeit feststellen und auf dieser Grundlage zu einer neuen Palästina-Politik übergehen würden. Die Möglichkeit einer solchen Entwicklung klingt auch in der Kommission, in der schon erwähnten, übrigens durchaus zionistenfreundlichen Bemerkung de Penha-Garcias an, die Schwierigkeit liege in der Verpflichtung zur Schaffung des Nationalheims, die allein die Befürchtungen der Araber erweckt habe, die Regierung müßte daher etwas zur Beruhigung der Araber tun, weil sich sonst das Mandat als unausführbar erweisen könne.95) Gewisse Töne aus dem Kreise der Regierung lassen die Deutung zu, daß hier ein solcher Wechsel der Orientierung nicht überall ungern gesehen würde. Denn in den Aeußerungen der Regierung sind zwei verschiedene Strömungen ziemlich gut zu unterscheiden. Die eine macht mit Nachdruck, ja mit einem gewissen Ueberdruß auf die lästigen Folgen der Balfour-Deklaration aufmerksam und schildert kontrastierend, wie leicht man ohne sie mit der Bevölkerung des Landes auskommen könne. Diese Auffassung liegt der — von der Regierung übernommenen — These des Shaw-Berichtes zugrunde, daß der Widerstand der Araber gegen das Mandat nur aus seinem jüdischen Inhalt zu erklären, nicht aber gegen die Engländer an sich gerichtet sei. In diesem Sinne schreibt der als Sekretär der Shaw-Kommission bekannte Mr. Lloyd, Mitglied der Regierungs- Delegation, in einem Memorandum an die Mandatkommission, daß sich die früher herrschende Toleranz der Araber gegen 'die Juden sich erst seit der Annahme Her Politik des Nationalheims in Feindschaft verwandelt habe.96) Mit dieser Meinung stimmt die Kommission keineswegs überein. Van Rees meint vielmehr, daß die politischen Aspirationen der Araber, die auf Unabhängigkeit gerichtet seien, durch jede Art politischer Herrschaft ohne Rück- 93) Zum Beispiel de Penha Garcia, Seite 112. 9*) Seite 143. 95) Seite 80. 96) Seite 126.

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