Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Palästina vor der Mandatskommission
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 344 (sequence 12)
- Language
- German
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344 scne Bevölkerung sich den neuen, durch die jüdische Einwanderung entstandenen Bedingungen anpasse.42) Sie verlangt also Aktivität der Regierung für beide Teile der Bevölkerung und erwähnt dabei, daß insbesondere auch das Problem einer Verständigung zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen einer Aktivität mit den Mitteln der Regierung bedurft hätte. Die Regierung antwortet auch auf diese ernste und gewichtige Kritik ihrer allgemeinen politischen Linie mit einer gereizten, andererseits schwachen und oberflächlichen Art. Sie kann sich auch in ihrer Antwort auf den Bericht der Kommission die etwas klägliche Bemerkung nicht sparen, daß die Mandatkommission früher nichts gesagt habe. Sie wirft der Kommission vor, sie habe sich bei der Kritik der Regierung wegen der Politik gegenüber den Juden die extremeren jüdischen Auffassungen über den Inhalt des Mandats zu eigen gemacht; die Mandatarmacht hätte nicht die Aufgabe, das Nationalheim zu errichten, das sei Sache der Juden selbst, die Verpflichtung zur Schaffung günstiger Bedingungen sei eingeschränkt durch die Verpflichtung zur Entwicklung von Selbstverwaltungseinrichtungen und die Sicherung der bürgerlichen und religiösen Rechte aller Einwohner. Die Forderung nach einer aktiven Araberpolitik wird mit dem Hinweis auf fiskalische Schwierigkeiten erledigt.43) Also keine ernsthafte sachliche Erwiderung, nicht einmal eine Erklärung zu der Tatsache, daß die Ereignisse des August 1929 ein katastrophales Versagen auch innerhalb der von der Regierung als notwendig anerkannten Art der Förderung des Nationalheimes darstellen. Als einziges ernsthaftes Argument kann die Mandatarmacht die großen Schwierigkeiten anführen, die ihr aus der feindlichen Haltung der Araber entstanden sind, und die nach ihrer Meinung von der Kommission nicht gebührend gewürdigt worden wären. Das ernste und für ein Programm der Zukunft bedeutungsvolle Urteil der Kommission hätte eine ernstere Würdigung verdient. Die als Anlage zur Erwiderung der Regierung beigefügte Uebersicht über Leistungen der Regierung,44) welche ihre Aktivität beweisen soll, macht keinen überwältigenden Eindruck. Sie ist ein Beweis mehr dafür, daß es dem Verfasser dieser Bemerkungen zum Bericht der Kommission sowohl an Verständnis für große politische Begriffe, wie an Blick für Wirkungen gegenüber irgendeiner Art von Oeffentlichkeit fehlt. Nur so ist 42) Ebenso während der Verhandlungen Orts, Seite 89. 43) Seite 149, 152. 44) Seite 153.