Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Palästina vor der Mandatskommission
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 343 (sequence 11)
- Language
- German
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Mandat eine aktive Politik verlange.38) Shiels nimmt diese For- 343 derung zum Anlaß, um die Gründe der englischen Haltung — zum ersten Male in dieser Deutlichkeit — näher zu erläutern. Die Regierung dürfe nicht den Eindruck erwecken, daß sie durch positive Leistungen den einen Teil der Bevölkerung dem anderen vorziehe. Sie müsse gerade im Interesse des Aufbaues des Nationalheimes die Araber davon zu überzeugen suchen, daß sie für sie ebenso sorge, wie für die jüdischen Einwanderer.39) Im übrigen begnügt er sich mit dem allgemein gehaltenen Hinweis, daß jede Einwanderungspolitik mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen habe, daß aber die Ergebnisse der Politik des Nationalheimes die Haltung der Regierung nicht als gänzlich passiv erseheinen ließe. Er hebt hervor, daß die Anstrengungen der Regierung für die Förderung des Nationalheims nur durch die Notwendigkeit eingeschränkt würden, auch die Interessen des anderen Teiles der Bevölkerung wahrzunehmen. 40) Diese Begründung des von der Kommission kritisierten Verzichtes auf eigene Aktivität enthält also doch an sich eine deutlich positive Haltung zur Politik des Nationalheimes. Sie kann durchaus im Sinne des zuerst von Herbert Samuel unternommenen Versuches liegen, im Interesse des Nationalheimes ein erträgliches Verhältnis zwischen Regierung und Arabern herzustellen. Die Kommission erklärt in ihrem Bericht die jüdischen Klagen über den Mangel an positiver Unterstützung durch die Regierung für berechtigt. Sie rügt darüber hinaus, daß die Regierung nicht imstande gewesen ist, die wesentliche Bedingung für die Errichtung des Nationalheimes, Sicherheit für Leben und Gut, aufrechtzuerhalten.41) Dieser Tadel ist auch vom Standpunkt der bisher geführten Politik der Regierung voll berechtigt und müßte entsprechend von ihr gewürdigt werden. Denn nach ihrer oft wiederholten Erklärung sollte die Garantie der Sicherheit ihr wichtigster und entscheidender Beitrag zum Aufbau des Nationalheimes sein. Der Bericht der Kommission kritisiert aber auch, daß die Regierung der folgenschweren Entwicklung, welche der Aufbau des Nationalheimes für die Araber mit sich bringen mußte, lediglich zugesehen hätte; sie hätte durch aktive Leistungen auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet dafür sorgen müssen, daß die arabi- 38) Seite 89. 39) Seite 86. 40) Seite 89. 41) Seite 142.