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Palästina · 1930-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1930) · p. Seite 335

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1930)
Article
Palästina vor der Mandatskommission
Date
1930-10-01
Page
Seite 335 (sequence 3)
Language
German
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ihrer schwachen Truppenzahl bemüht und zur Anwendung von 335 Gewalt gegen die Aufständischen entschlossen hat. Dieser Tei] der Verhandlungen zeigt mit Deutlichkeit, daß Luke, der damals als Chef der Regierung amtierte, der kritischen Situation nicht gewachsen war. Er wich einem kräftigen Entschluß aus, er wollte die Hoffnung nicht preisgeben, daß doch noch alles gut gehen würde. Das Ergebnis war, daß es viel schlechter ging als notwendig gewesen wäre. Zu diesem Schluß zwingt die unzulängliche Verteidigung Lukes gegen die Vorhaltungen der Kommission, daß die Regierung im Augenblick der Gefahr verhandelt hätte, anstatt zu befehlen und daß bei einer festen Haltung der Regierung die Unruhen im Beginn hätten unterdrückt, jedenfalls aber die schwersten Ausschreitungen hätten vermieden werden können.6) Luke glaubt, daß er vor dem 23. August keinen Anlaß gehabt hätte, mit ernsten Unruhen zu rechnen, die Anforderungen von Truppen wäre daher vor diesem Tage nicht genügend begründet gewesen. Aber diese Erklärung kann nur den bedauerlichen Mangel an Voraussicht bei der Regierung illustrieren. Luke selbst erwähnt die ausdrückliche Warnung seitens zweier jüdischer Führer am 22. August, er glaubt sie damit erledigen zu können, daß ihm keine Einzelheiten angegeben worden wären! Auf diese Weise rechtfertigt er die Verzögerung der Anforderung der Verstärkung bis zum Nachmittag des 23., wo der Aufstand im vollen Gange war. Es ist verständlich, daß Mitglieder der Kommission — besonders der Beigier Orts und der Schweizer Rappard — ihr höchstes Erstaunen über diese Erklärung äußern.7) Luke begründet sein Verhalten insbesondere mit der bei ihm am 22. August veranstalteten Konferenz jüdischer und arabischer Führer. Die Tatsache dieser Zusammenkunft hätte ihm eine friedliche Lösung noch als möglich erscheinen lassen, obwohl das erstrebte Resultat — eine gemeinsame Erklärung — nicht zustande gekommen wäre, wäre doch ein versöhnlicher Geist beider Parteien zu bemerken gewesen. Daher hätte die Regierung eher mit einer Besserung der Lage als mit einer Verschärfung rechnen dürfen. Auch an diesem Hinweis fällt nicht nur der völlige Mangel an Verständnis der Situation auf, sondern auch die verhängnisvolle Voraussetzung, daß Festigkeit der Regierung die versöhnlichen Tendenzen gestört hätte. Der Mangel an Entschlossenheit der Regierung ist für die unmittelbare Vorgeschichte der Unruhen charakteristisch. Luke findet 6) Orts Seite 29 £. 7) Seite 31.

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