Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Palästina vor der Mandatskommission
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 334 (sequence 2)
- Language
- German
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334 &e^ührt worden ist. Das französische Mitglied macht auf einen von ihm im Februar 1930 geschriebenen Brief an einen mohammedanischen Führer in Beyrouth als Beweis für seine politisch gefährliche Tätigkeit innerhalb und außerhalb Palästinas aufmerksam. Mehrere Mitglieder äußern ihr Erstaunen, daß eine solche Persönlichkeit aus Regierungsgeldern bezahlt werde.2) Der Führer der Vertretung der englischen Regierung Dr. Shiels weist gegenüber diesem Vorwurf in wenig überzeugender Art darauf hin, daß die Bezahlung aus Regierungsgeldern nicht die Verleihung einer Beamtenstellung bedeute, daß man im übrigen die Angriffe gegen die politische Vergangenheit des Mufti nicht so ernst nehmen solle. 2. Auch bei der Prüfung des Verhaltens der Regierung findet die Mandatskommission von Anfang an schärfere Töne als der Shaw- Bericht. Auch dieser hatte es als Fehler bezeichnet, daß die Garnison Palästinas zu sehr verringert worden sei.3) Die Regierung selbst hatte diese Maßnahme als Fehler zugegeben, aber Shiels gibt für diesen Fehler eine Erklärung, welche für die Würdigung der politischen Lage vor 1929 nicht ohne Interesse ist: Die Spannung zwischen Juden und Arabern sei Jahre hindurch im Abnehmen gewesen, daher habe man die innere Lage verhältnismäßig optimistisch beurteilt. Diese Annahme habe sich freilich als irrtümlich erwiesen, sei aber mit den Tatsachen zu entschuldigen.4) Auf diese Erklärung kann sich die Meinung stützen, daß man nach der Entwicklung bis in die Mitte des Jahres 1928 nicht mit einem gewaltsamen Ausbruch rechnen mußte und daß die Unruhen des Jahres 1929 in dieser Art und zu dieser Zeit vielleicht hätten vermieden werden können, wenn nicht seit 1928, im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren, ein Zustand dauernder aktueller und sich immer verstärkender Reibung zwischen den beiden Nationen — durch die Klagemaueraffäre — entstanden wäre. Die Kommission nimmt das Eingeständnis dieses Irrtums lediglich registrierend zur Kenntnis.5) Aber mit scharfem Tadel stellt sie fest, daß die Palästina-Regierung sich zu spät um Verstärkung 2) Protokoll der Tagung Seite 71 ff. 3) Shaw-Bericht Seite 163. 4) Protokoll der Tagung Seite 28 f. ö) Rappard sagt hiebei, man würde in einer Stadt die Feuerwehr nicht entlassen, wenn acht Jahre lang kein Feuer gewesen wäre. Seite 29, 31. Außerdem weist er die Entschuldigung der Regierung und des Shaw-Berichts (Seite 12) zurück, daß die Unruhen des Jahres 1920 stattgefunden hätten, trotz Anwesenheit einer größeren Anzahl von Truppen im Lande.