Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 298 (sequence 6)
- Language
- German
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Nicht so günstig, wie in wirtschaftlicher Hinsicht, war es bisher um die sozialer. Fragen in der Entwicklung der Genossenschaften bestellt, was auch ziemlich erklärlich ist, da sich in diesen Genossenschaften nicht gerade der intelligenteste Teil der Arbeiterschaft konzentriert. So mehrten sich denn Fälle der Beschäftigung von nicht gleichberechtigten Lohnarbeitern in den Genossenschaften, es wurden Lehrlinge aufgenommen, ohne sich viel um deren Fortbildung, wie auch Arbeitsbedingungen zu kümmern und auch der Zusammenhang zwischen den einzelnen Genossenschaften und der Histadruth als solcher war ein ziemlich loser. Diesen Uebelständen soll jetzt abgeholfen werden. So wurde auf der letzten Beratung der Genossenschaften beschlossen, daß Lohnarbeiter nach zwölf Monaten Arbeit in der Genossenschaft eo ipso Anwärter zur Aufnahme als ordentliche Mitglieder werden, daß Lehrlinge nur auf Grund eines Kollektivvertrages mit der betreffenden Sektion der Organisation der Arbeiterjugend beschäftigt werden dürfen und daß die Genossenschaften verpflichtet seien, mindestens 50 Prozent des Reinertrages an den Reservefonds abzuführen, einen bestimmten Prozentsatz auch der Histadruth zu übermitteln. Freilich ist es mit diesen Beschlüssen allein noch nicht gedient, es wird jetzt eine intensivere JErziehungstätigkeit in den Genossenschaften einsetzen müssen, um sie ideologisch ganz ins Gefüge der Flistadruth hinüberzuführen. Wird diese Aufgabe erreicht werden, so unterliegt es keinem Zweifel, daß dieser an und für sich sicherlich sehr wichtige und auch ziemlich gelungene Versuch, auch die gewerbliche Arbeit in den Städten im Weg der selbständigen Genossenschaften zu erobern, für die weitere Entwicklung der jüdischen Arbeiterbewegung im Lande von großer Bedeutung werden kann. Um die „Achwat Poalim"-Affäre. Die im Mai des Jahres erfolgte Gründung der „Achwat Poalim"-Gruppen in Tel-Aviv und Jerusalem, in denen von jüdischer Seite hauptsächlich Mitglieder der Partei der linken Poale-Zion vertreten waren und die sich zum Ziel setzten, für eine Annäherung der Arbeiterschaft der beiden Völker, sowie für die Verwirklichung des Grundsatzes der gemeinsamen Organisierung (Irgun Meschutaf) zu kämpfen, wurde von der überwiegenden Mehrheit der jüdischen Arbeiterschaft im Lande sehr kühl, ja sogar ablehnend aufgenommen. Es wurde darauf gewiesen, daß keine Ursache bestehe, den Beschluß der dritten Konferenz der. Histadruth, wonach autonome nationale Arbeitersektionen anzustreben seien, zu ändern. Es müsse also zunächst die Organisierung der arabischen Arbeiterschaft in Angriff genommen werden, was keineswegs zu den leichtesten Aufgaben gehört, wie es die mehrfachen erfolglosen Versuche beweisen. Die Sonderorganisierung der jüdischen Arbeiter zur Erreichung ihrer nationalen Klassenaufgaben dürfe nicht angetastet werden. Die Ablehnung der Achwat-Poalim-Ideologie verstärkte sich vielfach, nachdem deren Grundzüge ausführlich in einem besonderen Sammelbuch veröffentlicht worden waren, das Mitte Juni in Tel-Aviv erschien und neben den Aufsätzen poale-zionistischer Führer auch einen der Frage der gemeinsamen Organisierung gewidmeten Artikel von Hugo Bergmann, sowie zwei Aufsätze von arabischen Arbeitern enthielt. Mit starker Entschiedenheit wurden die Ausführungen von Bergmann bekämpft, der die Schaffung von rein ökonomisch orientierten gemeinsamen Organisationen befürwortet, was zugleich die Auf-* gäbe des Kampfes für die Eroberung der Arbeit, sowie einer weiteren Alij ah ins Land bedeutet. Den Ausführungen eines anderen Mitarbeiters des Sammel-