Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 297 (sequence 5)
- Language
- German
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Arbeiter zu erobern, zu erreichen. Viel zu klein ist noch der Umfang der Tätigkeit der Gesellschaft, viel zu gering die ihr zur Verfügung stehenden Mittel. Doch ist gerade in Anbetracht der geringen Mittel das bisher Erreichte sicherlich sehr ermutigend und die weitere Tätigkeit der Gesellschaft wird hoffentlich das ihrige dazu beitragen, das Los der Koloniearbeiterschaft erträglicher zu gestalten. Die Entwicklung der gewerblichen Arbeitergenossenschaften. Ebenso still und ebenso gesund, wie die Entwicklung des „Jachin", doch in einem ungleich größeren Maßstab, hat sich im Lauf der letzten Jahre die Entwicklung der gewerblichen Genossenschaften in den Städten vollzogen, deren Vertreter vor wenigen Tagen, Ende Juni des Jahres, in Tel-Aviv zusammentraten, um das bisher Erreichte zu prüfen und sich über die weitere Tätigkeit klar zu werden. Auch diese Genossenschaften wurden durch das Mißgeschick des Solel-Boneh in Mitleidenschaft gezogen, um so mehr, als einige von ihnen ihm direkt angegliedert waren, und die Anfang 1923 erfolgte Liquidierung der Gesellschaft für sie in manchen Fällen sogar den Verlust von Werkzeugen und Maschinen zur Folge hatte. Und doch gelang es auch in diesem Falle des Mißgeschicks Herr zu werden. Im Lauf der letzten zwei Jahre schrumpfte zwar die Zahl der Genossenschaften von 52 auf 42 zusammen, doch stieg gleichzeitig die Mitgliederzahl von 662 auf 705, das Vermögen vergrößerte sich um 140 Prozent und beträgt jetzt 38.000 Pfund, die jährliche Produktion hat einen Wert von 180.000 Pfund, die Summe der jährlich gezahlten Löhne 80.000 Pfund erreicht. Diese rasche und gesunde Entwicklung ist zu einem bedeutenden Teil dem Verband dieser Genossenschaften zu verdanken, der seit Februar 1928 tätig ist und zugleich auch die Aufgaben eines Revisionsverbandes erfüllt, was umso wichtiger ist, als das in Palästina geltende Genossenschaftsgesetz keine Revisionszwangsverbände kennt. Die große Zahl der in den letzten zwei Jahren durchgeführten Revisionen (zirka 300) ermöglichte es dem Verband, sich mit der Situation und den Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Genossenschaften genau bekannt zu machen und hiedurch auch deren Kreditbasis zu stärken. Heute ist die Frage der kurzfristigen Kredite für die Genossenschaften fast gelöst, was ihnen in erster Reihe ermöglicht, sowohl Rohstoffe, wie auch Arbeitswerkzeuge und Maschinen direkt von erster Hand zu beziehen, sowie auch manche Absatzschwierigkeiten zu überwinden, obwohl es gerade in dieser Beziehung noch ziemlich schwer geht, bis zum heutigen Tag. Es wurde übrigens auch ein eigener, vorläufig allerdings noch bescheidener Fonds von 3000 Pfund geschaffen, der es ermöglicht, in dringenden Fällen den Genossenschaften einen direkten Kredit zu gewähren, sowie auch manche neue Genossenschaften ins Leben zu rufen. Sehr bedeutende Erfolge wurden auf dem Gebiet einer genossenschaftlichen Organisierung der Kraftwagenlenker erreicht, die dem von Tag zu Tag wachsenden Chaos der gegenseitigen Konkurrenz ein Ende machen soll. Es wurde eine ganze Reihe von Genossenschaften ins Leben gerufen, die heute bereits 200 Mitglieder mit einem Betriebskapital von 19.000 Pfund umfassen. Es wurde gleichzeitig; eine besondere Genossenschaft zur Versorgung der Kraftwagen mit Benzin, sowie einzelnen Wagenbestandteilen gegründet. Für die Zukunft wird noch die Schaffung einer gemeinsamen Großeinkaufsstelle für Rohstoffe für die Genossenschaften, wie auch eines Absatzmagazins erwogen.