Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 295 (sequence 3)
- Language
- German
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Arbeiterorganisation und der Kolonistenvereinigung in Magdiel geschlossene Abkommen, das dann noch auf die Kolonien Raanana und Bne-Brak erstreckt wurde, sicherlich einen erfreulichen Fortschritt. Durch das Abkommen wurdeit im Allgemeinen die bisher in den Kolonien bestehenden Arbeits- und Lohnbedingungen als beiderseitig weiter verbindlich erklärt, .außerdem auch die obligatorische Beteiligung der Arbeitgeber an den Kosten der Arbeiterkrankenkasse eingeführt. Die wichtigste Neuerung des Abkommens bedeutet indes die Schaffung eines paritätischen Arbeitsamtes, wohl der erste Fall dieser Art in Palästina. Allerdings wurde gerade dieser Punkt des Abkommens von einem Teil der Arbeiterschaft mit gemischten Gefühlen aufgenommen und es wird wohl nach längere Zeit dauern, bis dessen reibungslose Durchführung sichergestellt sein wird. Gleichzeitig mit diesem Abkommen wurde auch ein anderes zwischen der Exekutive der Histadruth und dem Siedlungsunternehmen „Gan Chaim" geschlossen, dessen wichtigster Bestandteil die Einführung einer für beide Teile obligatorischen Arbeitslosenversicherung ist. Doch wie wichtig auch diese ersten Versuche einer gegenseitigen Verständigung für die Zukunft sein mögen, ,so umfassen sie vorläufig nur einen kleinen Teil der fortschrittlichen Kolonisten, und es ist wohl kaum anzunehmen, daß sie imstande sein werden, dem erneuten Ausstoßungsprozeß der jüdischen Arbeiterschaft aus den Kolonien vorzubeugen. So ist denn die pessimistische Stimmung, die unter der Koloniearbeiterschaft um sich greift, nur allzu verständlich. Der Zweifel daran, ob es möglich sei, sich als Lohnarbeiter in den Kolonien, eine, wenn auch nur halbwegs dauernde Existenz zu schaffen, taucht von Neuem und mit voller Schärfe auf. Im Zusammenhang damit ist auch die abnehmende Popularität des Gedankens der Hilfswirtschaften zu bemerken, deren Zweck es sein soll, den Arbeitern die Existenz in den Kolonien 'zu erleichtern. An dessen Stelle tritt immer mehr das Ideal einer selbständigen, wenn auch nur kärglichen Existenz, die nach einer Reihe von Jahren der Lohnarbeit in den Kolonien erreicht werden soll. Die „Kolonisierung der Tausend" (Hitjaschwuth Ha'elef) ist heute in den Mittelpunkt des Interesses der Koloniearbeiterschaft gerückt. Man sieht in diesem Plan, an dessen Realisierung jetzt, nachdem er von den leitenden Organen der jüdischen Agency akzeptiert worden ist, geschritten werden soll, den Vorläufer eines umfassenden Kolonisationsprogramms, das im Lauf der Zeit zur Ansiedlung der gesamten Koloniearbeiterschaft führen soll. Der Plan ist auf vielen Beratungen und Konferenzen, sowie auch sonst in der Arbeiterpresse gründlich ins Einzelne behandelt worden. Im Allgemeinen wird die Richtigkeit der ihm zugrunde liegenden Ziffern anerkannt, es wird auch als möglich betrachtet, eine, wenn auch nur halbwegs dauernde Beschäftigung der Siedlungskandidaten in den Kolonien sicherzustellen, die ihnen ermöglichen würde, ihre eigenen Wirtschaften, eventuell unter Zuhilfenahme von Arbeitsgenossen auszubauen. Ziemlich scharf wird dagegen die unklare gesellschaftliche Grundlage des ganzen Kolonisationsunternehmens kritisiert, das nicht von den nationalen Kolonisationsinstituten als solchen durchgeführt wird, sowie die einseitige Einstellung auf die Pflanzungswirtschaft, die dem bisher in den Arbeitersiedlungen herrschenden Grundsatz der Selbstversorgung widerspricht. In beiden Hinsichten werden von den leitenden Organen der Histadruth entsprechende Korrekturen gefordert. Doch ist es klar, daß selbst die volle Realisierung des Gedankens der Hitjaschwuth Ha'elef, die ja auch nicht zu