Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 294 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379883-2379889-2391726--10942-2392000- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
deutende Zahl von verheirateten Arbeitern (1826 Arbeiterfamilien mit 3834 Kindern, 36 Prozent der Gesamtzahl der Arbeiter) angeführt werden, die im Vergleich zu den früheren Jahren auch rasch angestiegen war. Auch die sonstigen Arbeitsbedingungen verbesserten sich, in 89 Prozent der Fälle wurde der Achtstundentag eingehalten. Doch nicht lange dauerte dieser ziemlich befriedigende Zustand. Je mehr sich der erste niederschmetternde Eindruck der August-Ereignisse verflüchtigte, desto mehr wuchs auch die Neigung in den Kreisen der Kolonisten, zum System der billigen arabischen Lohnarbeit zurückzukehren. Es wurden zunächst Versuche gemacht, die Organisierung der Arbeiter zu schwächen, sowie das Lohnniveau herabzudrücken. Die Ereignisse in Kfar Saba, die eine Zeit lang großes Aufsehen im Lande verursachten, bedeuteten das Vorspiel dazu. Die Zählung, März 1930, hatte einen Prozentsatz von 71.6 bis 75.9 von Angehörigen der Histadruth ergeben. In Kfar Saba wurde nun von einigen Kolonisten der Versuch gemacht, nichtorganisierte jüdische Arbeiter unter Umgehung des Arbeitsbüros der Histadruth anzustellen, es kam zu schweren Zusammenstößen, bis schließlich ein Provisorium auf sechs Monate unter Belassung der nichtorganisierten Arbeiter geschaffen wurde. Zu einem weiteren Zusammenstoß kam es dann in Ness-Zionah, anläßlich des Versuches, den Tageslohn der Arbeiter herabzusetzen, was sogar die Proklamierung eines Streiks seitens der Arbeiterschaft zur Folge hatte. Unterdessen ging ein großer Teil der Kolonisten in den Pflanzungskolonien, in erster Reihe in Petach-Tikwah und Ness-Zionah daran, die jüdischen Arbeiter erneut durch arabische zu ersetzen. Eine Ende Juni in Petach-Tikwah durch die Kolonieverwaltung veranstaltete Zählung ergab, daß bereits in 76 Orangengärten 209 arabische Arbeiter und kein einziger jüdischer, in 67 anderen gegenüber 238 arabischen bloß 148 jüdische Arbeiter beschäftigt waren. Es arbeiteten an dem betreffenden Tag 297 jüdische Arbeiter in der Kolonie gegen 447 arabischen. In demselben Tempo geht die traurige Entwicklung ununterbrochen weiter bis zum heutigen Tag. So dringt denn das Gespenst der Arbeitslosigkeit immer tiefer in die Reihen der Koloniearbeiterschaft hinein. Die Zahl der Arbeitslosen in den Kolonien übertrifft schon heute stark die der städtischen Arbeitslosen (400 bis 500), in Ness-Zionah allein sind 150 Arbeitslose registriert worden. Die Exekutive der Koloniearbeiterschaft, die am 8. und 9. Juli d. J. in Tel-Aviv tagte, veröffentlichte eine scharfe Kundgebung gegen die Kolonisten, die von neuem einen Boykott der jüdischen Lohnarbeit einführen und forderte eine sofortige Intervention seitens der nationalen Aufsichtsbehörden. Die Kundgebung wurde übrigens durch einen ebenso scharfen Aufsatz im Organ der Kolonistenvereinigung „Bustnaj" beantwortet, wo versucht wird, die Schuld an der traurigen Entwicklung der Dinge auf die Arbeiterschaft abzuwälzen, die für das schlechte gegenseitige Verhältnis verantwortlich sei und außerdem übertriebene Lohnforderungen stelle. Tatsächlich ist denn auch die Regelung der gegenseitigen Beziehungen zwischen den Kolonisten und den Arbeitern dringend notwendig. Die stramme Organisierung der Arbeiterschaft hat allerdings kein Chaos in den Arbeitsbeziehungen aufkommen lassen, doch empfindet der andere Teil die „Diktatur" seitens der Arbeiterschaft und insbesondere die einseitigen Arbeitsämter der! Histadruth als eine dauernde Benachteiligung seiner Interessen. So bedeutet denn das in den ersten Tagen Juni zwischen der Exekutive der allgemeinen