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Palästina · 1930-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1930) · p. Seite 292

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1930)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1930-07-01
Page
Seite 292 (sequence 5)
Language
German
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rücksichtigt lassen kann. Die durch dieses Material geforderten Maßnahmen schließen jedoch gewisse Beschränkungen der zionistischen Tätigkeit ein, wogegen die Juden protestieren. Die englische Regierung hat aber darüber hinaus in der letzten Zeit wiederholt die Frage gestellt, was eigentlich das Endziel der Juden in Palästina ist. Sie hat klar betont, daß England keinen Judenstaat versprochen hat und daß man daher die Frage erörtern müßte, wann eigentlich das jüdische Nationalheim fertig sein werde. Dies sind Probleme, mit denen sich der Zionismus niemals ernsthaft beschäftigt hat, weil er als in seinem Ursprung utopistische Bewegung gewöhnt war, die Erreichung des Ziels in eine weite Ferne zu verlegen, so daß man es einerseits in der Phantasie ausschmücken konnte, anderseits sich nicht konkret darüber Rechenschaft geben mußte. Dazu kommt noch, daß auch Palästina in die agrarische Weltwirtschaftskrise hineingerissen ist und daß die Regierung es daher für ihre Verpflichtung hält, in der nächsten Zeit ihr Hauptaugenmerk der Hilfe für die Fellachen zuzuwenden. Eine umfassende Erklärung über ihre Politik wird England erst abgeben, wenn der Bericht von Simpson vorliegt. Diese lang angekündigte Erklärung wird zweifellos in der Grundfrage der politischen Gestaltung Palästinas und des Jüdischen Nationalheims sich in denselben Linien bewegen wie das bekannte Weißbuch von 1922, das von der Zionistischen Organisation akzeptiert wurde und unseligerweise im Zionismus auf das schärfste bekämpft wird, obwohl es nach Ansicht des Referenten die einzig mögliche Lösung darbietet und uns vor viel Unheil hätte bewahren können, wenn wir es ideologisch und praktisch uns zu eigen gemacht hätten. Ueber diese Definitionen hinaus aber wird die Regierungserklärung diesmal praktische Richtlinien enthalten, vor allem in den Fragen Einwanderung, Bodenkauf und Konstitution. Erst nach Verlautbarung dieser Erklärung wird die Jewish Agency auch ihrerseits ihre Politik festsetzen können. Das politische Komitee, das im Juni tagte, hielt es für richtig, sein Mißtrauen gegenüber dem Bericht von Simpson schon im vorhinein auszusprechen. Aber erst nachdem die Konsequenzen der Untersuchung Simpsons bekannt sein werden, wird man entscheiden können, welche Wege für die Jewish Agency offen bleiben. Heute wird jedenfalls sogar von maßgebender Seite die Möglichkeit eines offenen Bruches mit England ins Auge gefaßt. In welcher Weise nach einem solchen Bruch die zionistische Arbeit in Palästina weitergehen soll, ist nicht klar. Aber man wird in dieser Hinsicht die Berichte der politischen Leitung und die Beschlüsse des Administrativ-Komitees abwarten müssen. Das Zionistische Aktionskomitee wird wahrscheinlich eine radikale Politik unterstützen. Ob das Administrativ-Komitee auch das Problem einer arabischen Politik ernsthaft behandeln wird, muß man nach den bisherigen Erfahrungen bezweifeln. Ueber nichtssagende Deklarationen des Verständigungswillens, gepaart mit Forderungen einer 100 prozentigen Erfüllung der zionistischen Wünsche, wird man wohl auch diesmal nicht hinauskommen. Die in letzter Zeit an manchen Stellen aufgeflackerte Idee, ein Bündnis mit den Arabern gegen England zu schließen, wird wohl nicht wirklich zur Debatte gestellt werden, da die Absurdität dieser Konzeption zu manifest ist. Der einzige Weg, der unseres Erachtens überhaupt übrig bleibt, nämlich der Weg, einen Ausgleich der widerstreitenden Interessen zu suchen und dadurch die Möglichkeit einer Weiterarbeit zu sichern, wird wohl nicht beschritten werden. So läßt sich also nicht voraussagen, wie die Haltung des Administrativ-Komitee zu den

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