Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 293 (sequence 6)
- Language
- German
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politischen Fragen sein wird. Aber man kann wohl mit Sicherheit annehmen, daß die politischen Erörterungen mit großer Leidenschaft und mit dem Bewußtsein, an einem Wendepunkt zu stehen, geführt werden werden. So wird diese Sitzung des Administrativ-Komitees für die Sache des Jüdischen Nationalheims vielleicht ebenso folgenschwer sein, wie die Londoner Jahreskonferenz vor zehn - Jahren. ARBEITERBEWEGUNG. Von Dr. A. Tartakower, Lodz. Die Tragödie der Koloniearbeiterschaft. Das alte traurige Lied wiederholt sich nun wiederum in Palästina. Wieder das Ende einer Periode, des nun jahrzehntelang mit der größten Aufopferung geführten Kampfes um Eroberung der Arbeit in den jüdischen Kolonien, und wiederum ein heftiger Rückschlag, der für viele Hunderte von Arbeitern nicht nur materielle Not und Arbeitslosigkeit, sondern auch eine persönliche Tragödie in ihrem Leben bedeutet. Die Ereignisse erinnern in vielen Beziehungen an die diesbezüglichen Verhältnisse nach den Mai-Exzessen des Jahres 1921. Auch diesmal vermehrte sich nach den August-Vorfällen 1929 rasch die Zahl der jüdischen Lohnarbeiter in den Kolonien, obzwar der Prozeß als solcher noch viel früher begonnen hat. Es wuchs rasch die Zahl der Arbeiter, es hob sich in vielen Hinsichten das Lebensniveau, das Gefühl der dauernden Verwurzelung in dieser Arbeitsform begann wenigstens in einem Teil der Arbeiterschaft immer stärker um sich zu greifen. Eine im März des Jahres von der Exekutive der jüdischen Agency und von der Histadruth gemeinsam durchgeführte Zählung der jüdischen Lohnarbeiterschaft in den Kolonien, ergab eine Zahl von 7748 Arbeitern, was gegenüber der vorherigen Zählung aus dem Jahre 1926 (4583 Arbeiter) einen bedeutenden Fortschritt (-j- 69 Prozent) bedeutet. Die überwiegende Mehrzahl der Arbeiter (4454) war naturgemäß in den Pflanzungskolonien im Süden des Landes beschäftigt. Allerdings stand selbst in jener Zeit den jüdischen Arbeitern eine bedeutende Zahl von arabischen Lohnarbeitern in den Kolonien gegenüber. Die Zählung ergab 3874 arabische Lohnarbeiter, und wenn man noch die Siedlungen hinzufügt, in denen bloß arabische Lohnarbeiter beschäftigt waren und die in die Zählung nicht miteinbegriffen wurden, so dürfte die Zahl der arabischen Arbeiter zu jener Zeit mindestens 5000, also fast ebenso viel, wie die von jüdischen Arbeitern (zwischen den 7748 gab es ja auch viele nichtlandwirtschaftliche Arbeiter, Beamte, Lehrer usw.) betragen haben. Immerhin bedeutete aber dieser Zustand einen geradezu gewaltigen Fortschritt gegenüber den früheren Jahren, insbesondere, wenn man das Steigen des Lebensniveaus der Arbeiterschaft in Betracht zieht. Die Hälfte der Arbeiter (44.3 Prozent) verdiente zur Zeit der Zählung von 171/2 bis 20 Piaster 1 täglich (im Jahre 1926 waren es bloß 37.6 Prozent), sehr viele (35.5 Prozent) verdienten noch mehr, indeß der Prozentsatz der weniger verdienenden, der im Jahre 1926 noch 35.6 ausgemacht hatte, nunmehr auf 20.2 (hievon 11.7 in der Lohnstufe 15 bis 171/2 Piaster) gesunken war. Es wurde auch eine bedeutende Zahl von Arbeitern (31 Prozent) registriert, die gegen einen Monatslohn oder sonstwie fest angestellt waren (im Jahre 1926 war die Zahl derartiger Arbeiter ganz minimal). Als ein Zeichen der Verwurzelung in den Kolonien mag auch die ziemlich be-