Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 291 (sequence 4)
- Language
- German
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bestehen, und zwar vier Zionisten und vier Nichtzionisten. Vor einem Jahr wurde in Zürich zunächst die Zionistische Exekutive auch von der erweiterten Agency übernommen; der Zionistenkongreß hatte jedoch eine zwölf köpf ige Exekutive gewählt. Bei der letzten Sitzung des Administrativ - Komitees im März wurden von den Nichtzionisten vier Persönlichkeiten nominiert, und zwar Dr. Hexter, Dr. Senator, Julius Simon und Rutenberg. Gleichzeitig sind vier Mitglieder der Zionistischen Exekutive aus der Agency-Exekutive ausgeschieden, und zwar Barth, Lipsky, Sacher und Miss Szold. Nunmehr sitzen noch acht Zicnisten in der Exekutive, nämlich Sokolow, Brodetzky, Kaplansky, Rosenblüth, Col. Kisch, Rabbi Meir Berlin, Sprinzak und Dr. Ruppin. Von diesen müssen in der August-Sitzung vier ausscheiden, und es wird ziemlich schwierig sein, diese zu bestimmen. Eine einfache Ueberlegung ergibt, daß Sokolow eines der vier verbleibenden Mitglieder sein wird; auch Kisch muß wohl bleiben, da er die Jewish Agency politisch in Palästina repräsentiert. Bezüglich der restlichen zwei Stellen hängt alles von der Haltung der Fraktionen ab. Da im Kongreß, beziehungsweise im AC. eine Majoritätsbildung ohne die Fraktionen unmöglich ist, können die Fraktionen, wenn sie darauf bestehen, je einen Vertreter in der Exekutive der Agency behalten, das wären also die Herren Berlin und Sprinzak. Unter diesen Umständen müßte sogar ein Mann, wie Dr. Ruppin die Exekutive der Agency verlassen, ein Entschluß, der den Zionisten sicher nicht leicht fallen wird. Dabei ist es noch gar nicht sicher, ob die nichtzionistischen vier Vertreter wirklich vollzählig ihr Amt antreten werden. Auf alle Fälle bedarf es kaum vieler Worte, um darzutun, welche tiefreichende Veränderung des ganzen Systems durch eine derartige Reorganisation der Exekutive bewirkt wird. Im Mittelpunkt der August-Sitzung wird aber zweifellos wieder die Politik stehen. Die politische Lage hat sich in den letzten Monaten zugespitzt und drängt zu einer Entscheidung. Die Londoner Leitung hat in der letzten Zeit eine stark oppositionelle Haltung gegenüber der englischen Regierung eingenommen. Zeitweise ist es sogar, wie auch in die weitere Oeffentlichkeit drang, zu einem scharfen Konflikt und persönlicher Verstimmung zwischen Dr. Weizmann und dem Kolonialminister Lord Passfield gekommen. Die Suspendierung der 2300 Zertifikate bildete wohl nur ein äußeres Symptom, an dem sich der lange verhaltene Widerspruch der jüdischen Welt entzündete. Im Grunde betrachteten die Juden seit August 1929 alle Maßnahmen der Regierung als Brüskierung und geradezu Parteinahme gegen die jüdische Sache. Die englische Politik steht jedoch vor einer Mauer, da sie die Realitäten Palästinas nicht ändern kann und mit dem wachsenden Widerstand der Araber rechnen muß. Die englische Regierung, soweit sie der zionistischen Sache günstig ist, geht von der axiomatischen Annahme aus, daß das Hauptinteresse des Zionismus darin besteht, einen offenen Konflikt mit der arabischen Bevölkerung zu vermeiden, da im Falle eines solchen Konfliktes die Durchführung der Politik des Nationalheims so gut wie unmöglich wäre. Aus diesem Grunde hält England eine Beruhigung der Araber für zionistenfreundliche Politik, während die Juden in ihrer Mehrheit in diesem Verhalten Englands einen Verrat am Zionismus sehen. England hat durch den von den Zionisten scharf kritisierten Bericht der Shaw-Kommission und durch den bevorstehenden Bericht von Sir John Hope Simpson ein für sie offizielles konkretes Material zur Hand, das es bei Behandlung der Palästina-Frage nicht unbe-