Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 290 (sequence 3)
- Language
- German
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Amerika. Amerika hat so gut wie vollständig versagt. Der United Jewish Campaign, die gemeinsam für die Zwecke des Joint und Palästina Geld aufbringen sollte, hat infolge der wiederholten Börsenkrachs ein fast vollständiges Debacle erlitten. Daraus ergibt sich nun das Bild, daß die Agency weniger Geld im Jahre aufgebracht hat als die Zionistische Organisation früher allein aufbrachte. Dieser Sachverhalt wird natürlich zu starkem Ressentiment innerhalb des Zionismus Anlaß geben. Man wirft den Nichtzionisten vor, daß sie ihre Versprechungen nicht gehalten haben. Ist dies eine große Enttäuschung für die Vergangenheit, so wird es zweifellos zu einer akuten Streitfrage für die Zukunft. Denn bei der Aufstellung des neuen Budgets wird das Administrativ-Komitee sowohl mit dem entstandenen Defizit, als auch mit den geminderten Aussichten des nächsten Jahres rechnen müssen. Es ist begreiflich, daß eine gewissenhafte Finanzverwaltung kein Budget akzeptieren darf, dessen Deckung sie für unmöglich oder zumindest unwahrscheinlich hält. Die Schätzung der Einnahmen aber wird wohl auf Grund der Erfahrungen dieses Jahres sich kaum höher als etwa 600.000 Pfund bewegen können, davon 250.000 aus nichtamerikanischen Ländern und zirka 350.000 aus den Vereinigten Staaten. Legt man aber diese Schätzung zugrunde, und rechnet man unter die Belastungen die Bezahlung der dringendsten Schulden, sowie die ziemlich stabilen, wenn auch vielleicht noch um ein geringes herabzudrückenden Postert für Erziehung, Gesundheitswesen, Verwaltung usw., so bleibt für die eigentliche zionistische Hauptaufgabe, nämlich landwirtschaftliche Kolonisation, die doch die Grundlage des Nationalheims schaffen soll, kaum mehr als etwa 100.000 Pfund übrig. Es verlautet auch, daß der Treasurer der Palästina- Exekutive, Dr. Senator, in dem Budgetentwurf, den er in Berlin vorlegen wird, für landwirtschaftliche Kolonisation im ganzen 109.300 Pfund eingesetzt hat. Diese Budgetierung hat schon jetzt in der palästinensischen Presse lebhaften Widerspruch hervorgerufen. Dies ist um so begreiflicher, als festgestellt wurde, daß die Konsolidierung der vor zehn Jahren begonnenen jüdischen Kolonisation im Emek Jesreel noch einen Betrag von 350.000 Pfund erfordert. Dieser Betrag, der zur vollen Ausstattung dieser Kolonien benötigt wird, wird sich aber erhöhen, wenn das Geld nicht in diesem Jahr planmäßig ausgezahlt wird, weil dann durch provisorische Maßnahmen neue Kosten entstehen können. Das Administrativ-Komitee wird also vor der Frage stehen, wie es aus diesen Schwierigkeiten herauskommen will. Es werden schon Pläne ventiliert, die alten Schulden in eine langfristige Anleihe zu konvertieren, auch taucht immer wieder die Frage einer Uebergabe des Gesundheits- und Erziehungswesens an die Regierung auf. Die Palästina-Exekutive hat mit einem aus allen Berufsklassen bestehenden Ausschuß in Palästina das Budget durchberaten, und einen Entwurf der Minimalbedürfnisse aufgestellt, der sich etwa um 750.000 herum bewegen soll. Schwierigkeiten der Budgetierung bestehen offenbar darin, daß es gar keine feste Handhabe gibt, die Habenseite des Budgets sicherzustellen. So wird auch das Budget zum großen Teil zum Gegenstand eines Machtkampfes zwischen der Finanz Verwaltung und den Exponenten der mehr von Propagandainteressenten bestimmten Bewegung. Neben der Frage des Budgets wird die Reorganisation der Exekutive nicht geringe Schwierigkeiten machen. Nach dem Statut soll die Exekutive — außer dem Präsidenten der Jewish Agency — aus acht Mitgliedern