Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 289 (sequence 2)
- Language
- German
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durchzuberaten und festzusetzen. Inzwischen haben sich im Verlaufe eines Jahres auch die Nichtzionisten eingearbeitet, sie haben ihre Vertrauensmänner in verantwortlichen Stellungen, und sie wirken zum ersten Male auch bei der Vorbereitung der Beschlüsse aktiv mit. Es ergibt sich von selbst, daß die Erfahrungen der Arbeit auch manche Vorstellungen berichtigt haben, die vorher noch zu herrschen schienen, solange nämlich die Palästina-Angelegenheit nur eine Sache der mehr oder weniger sentimentalen Betrachtung war. Bei den Nichtzionisten beobachten wir denselben Prozeß, wie wir ihn im Zionismus seit Jahren kennen, daß einerseits der Wunsch zur Verwirklichung des jüdischen Palästina-Traums auf gefühlsmäßigen Grundlagen ruht, die daher auch die praktische Politik oft beeinflussen, und daß anderseits in der Welt der realen Tatsachen gewisse konkrete Anforderungen gestellt werden, und mit den tatsächlich vorhandenen Kräften, die oft viel kleiner sind, als die Wünsche, gerechnet werden muß. Die Zweiteilung von Zionisten und Nichtzionisten tritt naturgemäß nach wie vor in Erscheinung. Eigentlich spielt weniger die Teilung zwischen Zionisten und Nichtzionisten organisatorisch eine Rolle, als die Teilung zwischen Zionisten auf der einen Seite und der umfassenderen, Zionisten und Nichtzionisten einschließenden Agency auf der anderen Seite. Denn die Nichtzionisten als solche sind nicht organisiert. Die Zionistische Organisation aber führt ihr Eigenleben neben der Agency weiter. Dies zeigt sich auch idarin, daß vor der Sitzung des Administrativen Komitees noch eine Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees stattfindet. Die Zionistische Organisation geht ihre eigenen Wege, so sehr, daß die Zionistische Exekutive den Zionistenkongreß noch für das Jahr 1930 einberufen hat. Die Zionistische Organisation spielt hier gewissermaßen die Rolle der größten Partei in einer Regierungskoalition. Eine Führerkrise in der Zionistischen Organisation — und nur diese könnte ja im Zusammenhang mit der politischen Lage den ausreichenden Grund für einen Kongreß bieten — würde auch für die Agency weittragende Folgen haben. Da Ort und Zeit des Kongresses bisher nicht festgesetzt wurden, ist auch noch nicht mit voller Bestimmtheit zu sagen, ob er wirklich zusammentreten wird. Im übrigen wird das Aktionskomitee wahrscheinlich Gelegenheit nehmen, über die Erfahrungen des Agency-Jahres sich auszusprechen. Es ist nicht zu verkennen, daß in zionistischen Kreisen eine starke Enttäuschung über die Agency Platz gegriffen hat. Man hatte von der Erweiterung der Agency eine Verstärkung der zionistischen Front und vor allem eine wesentliche Vergrößerung der ökonomischen Aufbauarbeit erwartet. Nun hat zwar in diesem Jahre die Agency in politischer Beziehung eine starke Belastungsprobe ausgehalten, aber die finanziellen Ergebnisse waren schlechter als im vorangehenden Jahr. Hatte man doch seit fünf Jahren auf die Agency hingesteuert in der Hoffnung, daß es mit ihrer Hilfe gelingen wird, ein jährliches Budget von einer Million Pfund für Palästinazwecke aufzubringen. Dies ist die Summe, die Dr. Weizmann schon 1925 nannte, und sie entspricht auch ungefähr dem von der Joint Palestine Survey Commission für erforderlich erklärten Betrag. Die Züricher Tagung hat ein Budget von 750.000 Pfund aufgestellt. Davon wurden aber nicht ganz 500.000 gedeckt. Für diese Mindereinnahme sind wohl vor allem zwei Tatsachen verantwortlich: 1. die im Zusammenhang mit den Augustunruhen veranstaltete Sammlung des Emergency Fonds, die 500.000 Pfund ergeben hat, und 2. die Wirtschaftskrise in der ganzen Welt, vor allem aber in