Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Der Aufstieg der Araberdörfer um die jüdischen Kolonien
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 273 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379883-2379889-2391721--10912-2391979- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
liegt. Darunter ist hier hauptsächlich Bewässerung, Tiefpflugverfahren, Anwendung von Dünger zur Anreicherung des Bodens und Entwicklung verschiedener landwirtschaftlicher Nebenzweige verstanden. All dies ist aber nur möglich, wenn die erheblichen Mittel zur Verfügung gestellt werden, die dem Fellachen die Abzahlung seiner Schulden und die für die Verbesserung der Wirtschaft erforderlichen Investierungen ermöglichen. Diese Mittel können nicht auf dem Anleiheweg beschafft werden, selbst dort, wo Krediterleichterungen bestehen. Die erforderlichen Beträge sind größer als die /Kredite, die eine Agrarbank gegenwärtig gewähren kann. Die einzige Lösung besteht darin, daß der Fellache künftig einen Teil seines Landes verkauft, um die verbleibende Wirtschaft mit dem Verkaufserlös zu intensivieren. Diese Transaktion wird aber ausschließlich mit Hilfe der jüdischen Immigration und der jüdischen Kolonisation durchgeführt werden können. Kein anderer Einwanderer wird bereit sein, einen Preis zu zahlen, der oft . den * gegenwärtigen Preis des Landes übersteigt. Wo der Fellache nur den Gegenwartswert seiner Böden erzielt, würde er nicht genug erhalten, um seine alten Schulden zu bezahlen, geschweige denn, neue Investierungen vorzunehmen. Allein die hohen Preise, die der jüdische Siedler infolge seiner besonderen Verbundenheit mit Palästina für den Boden in diesem Lande zu bezahlen bereit ist, können ihn in den Stand setzen, seine primitive und verkümmernde Wirtschaft hochzubringen. Arabische Dörfer in der Nähe von jüdischen Kolonien bieten einen lebendigen Kontrast zu jenen elenden Zuständen. In diesen Dörfern finden wir mehrere Brunnen, die durch Motorpumpen0betrieben werden. Die Häuser sind aus Stein gebaut, haben Fenster und sind mit Ziegeln gedeckt. Es gibt von den Wohnräumen separierte Ställe. Das Vieh ist in gutem Zustand. Bäume werden in dem Dorf und seinem Umkreis gefunden. Es gibt bewässerte Gemüse- und Orangengärten, die den Fellachen gehören. Dünger wird verwendet und die Felder werden im Sommer vor den Regenfällen gepflügt, nach dem Beispiel der jüdischen Bauern. In fast jedem Dorf gibt es eine kleine Mühle und die Frauen müssen nicht mehr mit der Hand mahlen. Die Kinder sind besser gekleidet und betreut, Augenkrankheiten und Blindheit sind viel seltener. Der allgemeine Gesundheitszustand ist sehr verbessert und die ärztliche Hilfe des jüdischen Arztes der benachbarten Kolonien wird regelmäßig angesprochen. Der Fellache ist anständig gekleidet und an Feiertagen kann er es sich sogar leisten, in festlichem Kleide zu erscheinen. Die Lage der Frau ist viel besser und mancher junge Fellache von heute begnügt sich mit einer Frau und schlägt sie nicht einmal. Wir nehmen als Beispiel einige arabische Dörfer in der Nähe der großen jüdischen Kolonien. Im Dorf Zarnuka zum Beispiel, wo es, bevor die späteren Siedler von Rechoboth einen Teil seines Bodens gekauft hatten, nur 80 Dunam Orangen gegeben hatte, besitzen 32 Fellachen, das ist ungefähr die Hälfte der Bevölkerung, 1176 Dunam Orangen in Flächen von 6 bis 80 Dunam. Außerdem werden in diesem Dorf auf 300 Dunam bewässert, und einigen hundert Dunam unbewässert Gemüse gezogen, für das in den jüdischen Kolonien ein guter Markt ist. Aehnlich findet der Fellache bei dem jüdischen Kolonisten gute Nachfrage nach Stroh zu einem Preis von 3 Pfund per Tonne, während die Dörfer, die von jüdischen Siedlungen weiter entfernt sind, glücklich sind, wenn sie 1.5 Pfund erlösen. In diesem Dorf -gibt es 20 Paar Maultiere und