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Palästina · 1930-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1930) · p. Seite 272

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1930)
Article
Der Aufstieg der Araberdörfer um die jüdischen Kolonien
Date
1930-07-01
Page
Seite 272 (sequence 2)
Language
German
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2T2 "Die Wirtschaft des Fellachen", gebracht (Nummer 1/2, Seite 40), auf die wir verweisen.] Für die Rückständigkeit der Landwirtschaft in den arabischen Dörfern sieht der Verfasser folgende Ursachen: 1. Die Konzentrierung der Böden in der Hand von Effendis. Die großen Bodenkomplexe im Umfang von Millionen von Dunam werden von ihren Eigentümern, den Effendis, hauptsächlich als Spekulationsobjekt und nicht als Grundbesitz betrachtet, der durch Investierung von Kapital und Arbeit entwickelt werden kann. Diese Ländereien werden gewöhnlich an Fellachen verpachtet, denen die Erträge ihrer eigenen Ländereien nicht genügen, oder an Pächter, die nicht in der Lage sind, sie richtig zu bearbeiten. Ungeheure Möglichkeiten gehen dadurch verloren, daß diese schlecht bearbeiteten Böden von Jahr zu Jahr weiter an Ergiebigkeit verlieren und schließlich durch das Ueberhandnehmen von Unkräutern und Disteln wertlos werden. Statt Bewässerungsbrunnen und Reservoire für Regenwasser findet man viele fieberverseuchte Sümpfe, die ganze Distrikte gefährden. So wird das Wasser, das für diese Böden ein Segen werden könnte, zur Ursache von Fieber und ^Krankheit. 2. Die Wirtschaften der einzelnen Bauern sind ^zu groß. Die große Majorität der bodenbesitzenden Fellachen hat mehr Land als sie bearbeiten können. Die auf den Anbau einer Kultur beschränkte Wirtschaft des Fellachen, ein System, das in anderen Ländern im Verschwinden begriffen ist, hat in Palästina besondere Nachteile, nachdem es hier mit so primitiven Methoden durchgeführt wird. Besonders wenig am Platze ist es in einem trockenen Lande, das häufig gerade dann Dürre und Glutwind hat, wenn die Aehren im Reifen sind, in einem Lande, in dem der Boden durch rücksichtslose Ausnützung Jahrhunderte hindurch so erschöpft ist, daß er ohne entsprechende Düngung keine guten Erträge geben kann. 3. Die hohe Schuldenlast des Fellachen. Der Fellache wird durch eine Schuldenlast erdrückt, die die schmalen Ueberschüsse seiner Wirtschaft aufzehrt und keine Mittel für Ausgaben zur Verbesserung seiner Wirtschaft läßt. Die Effendis, die in den meisten Dörfern über einen ziemlichen Landbesitz verfügen, aber nur geringe Einnahmen aus dem Pachtzins des Fellachen haben, finden in der Bewucherung der geldbedürftigen Fellachen ein weit erträglicheres Geschäft. Der Fellache auf dem Dorfe wird als unter dem besonderen „Schutze" seines Dorf-Effendis stehend betrachtet, der dieses Privileg in erster Linie dazu ausnützt, seine Geldgeschäfte mit ihm zu betreiben. Die Zinssätze für das Geld sind außerordentlich hoch und betragen je nach den lokalen Bedingungen 50 bis 100 Prozent pro Jahr. 4. Der Mangel an Kapital. Die Wirtschaft des Fellachen ist sehr mangelhaft ausgestaltet; seine Geräte sind den primitiven Geräten biblischer Zeiten ähnlich. Seine Ochsen sind oft kaum größer als Kälber, auch sein übriges Vieh ist unentwickelt und wenig leistungsfähig. Er besitzt so gut wie keine Kenntnisse moderner landwirtschaftlicher Methoden, er weiß nichts von Fruchtwechsel, von Saatselektion, von der Bedeutung des Düngers, dem Sommerpflügen, der Bewässerung und Meliorationen. Große Landkomplexe sind überhaupt nicht bearbeitet, insbesondere sandige Böden, lehmige Abhänge und sumpfige Böden. Es wird daher immer klarer, daß die einzige Lösung für das Existenzproblem des Fellachen in der Intensivierung der landwirtschaftlichen Betriebe

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