Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 262 (sequence 30)
- Language
- German
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262 sieren- Der nach Palästina einwandernde jüdische Arbeiter ist dem Araber gegenüber der Träger eines höheren Lebens- und Lohnstandards. Es ist also wahr — was die Kommission nicht sagt —, daß der einwandernde europäisch-jüdische Arbeiter die größten Schwierigkeiten zu überwinden hat, um gegen den Lohndruck der eingeborenen Arbeit auch nur standzuhalten und in der Wirtschaft des Landes Fuß zu fassen. Er kann es nur, wenn die technische Ausstattung, die Geschäftsorganisation, die Kapitalkraft und die Qualität des Produktes im jüdischen Betrieb so weit gesteigert werden, daß er trotz höheren Arbeitskosten die Konkurrenz der unterbezahlten arabischen sweating shops ertragen kann. Es ist weiter wahr — was die Kommission auch nicht sagt —, daß von diesem modernen Gewerbebetrieb Wirkungen auch über den Bereich der jüdischen Wirtschaft hinaus ausstrahlen und auch im arabischen Wirtschaftsbezirk eine langsame Tendenz steigender Löhne und verbesserter Arbeitsbedingungen hervorrufen. Wie kann es also gleichzeitig wahr sein, daß der europäisch-jüdische Immigrant den arabischen städtischen Arbeiter aus seiner Arbeitsstelle verdrängt? Während die Kommission so im Kopfrechnen schwach ist, ist sie dafür in Religion gut. Während sie von der Oekonomik der Immigration keinen blassen Dunst hat, ist sie dafür um so rascher mit allerhand administrativen Heilswahrheiten und Rezepten bei der Hand, um Apparate zu schaffen, die die Einwanderung kontrollieren, die ungeschmälerte Autorität der Regierung in der Einwanderungskontrolle gewährleisten und die kolonisatorische und moralische Qualität der jüdischen Einwanderer sicherstellen sollen. 35) Was die organisatorische Seite der Vorschläge der Kommission — den Plan einer Kommission, die wie die in der Konstitution 1922 vorgesehene Einwanderungsbehörde aus Engländern, Arabern und Juden zusammengesetzt sein und die Regierung in ihrer Immigrationspolitik beraten soll, eingeschlossen — anbetrifft, so liegt darin wenig Umwälzendes. Im Grunde wird an der bestehenden Praxis kaum etwas geändert. Die faktische Entscheidung bleibt nach wie vor ausschließlich in den Händen der britischen Beamtenschaft und des Colonial Office. Ob dann die blindwütige, von allen wirtschaftlichen Ueberlegungen völlig losgelöste Opposition der arabischen Extremisten gegen jüdische Einwanderung in einer ungezügelten Presse zum Ausdruck kommt, oder in einer speziell dazu ernannten Kommission, ist ein Unterschied Seite 112.