Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 261 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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unter den kleinen Handwerksgesellen in Jerusalem, Hebron oder 261 Gaza zu suchen. Die Arbeitslosigkeit der ersten Kategorie ist zum großen Teil eine Frage der Bausaison und kehrt normalerweise periodisch wieder. Für die Arbeitslosigkeit der zweiten Kategorie wäre nicht etwa nur die junge jüdische Seifen- oder Textilindustrie, sondern auch die tschechische Schuhindustrie, das Lancashire-Gewerbe, die Industrie aller importierenden Länder der Welt zur Verantwortung zu ziehen. Der Zusammenhang, den die Kommission anscheinend hier konstruiert wissen wollte, ist im Bericht, wie folgt, ausgedrückt:u) „Auf der arabischen Seite Zeuge nach Zeuge — viele von ihnen Leute von Erfahrung sowie Einfluß in der arabischen Gemeinschaft — behaupten weiters, daß in nicht ländlichen Distrikten die Zulassung von Juden in auch nur annähernd verlangtem Ausmaße zur Folge haben muß die Ersetzung von Arabern durch Juden und unvermeidlich eine große Arbeitslosigkeit ..." Das bedeutet also, daß behauptet wird, daß in den städtischen Bezirken die jüdische Einwanderung nur auf Grund direkter Verdrängung der Araber aus ihren Arbeitsstellen möglich ist. Dieses Argument ist um so gefährlicher, als es mit gewissen Assoziationen, die in verschiedenen Ländern, auch in England, mit jüdischer Arbeiter- und Handwerker ein Wanderung verknüpft werden, übereinstimmt. Der gedankenlose Leser wird daher allzu leicht ein fundamentales Moment übersehen, das diese Assoziationen völlig über den Haufen wirft und den angeblichen Behauptungen der Araber den Boden unter den Füßen wegzieht. In den meisten Immigrationsländern (Vereinigte Staaten, Kanada, Australien, selbst Argentinien) ist der aus Osteuropa einwandernde jüdische Arbeiter und Handwerker, wie auch seine polnischen, ukrainischen oder italienischen Schicksalsgenossen dem eingesessenen Arbeiter und Handwerker gegenüber der Träger eines niedrigeren Lohn- und Lebensstandards. Unter solchen Bedingungen hat der Neueinwanderer in der Unterbietung, dem Lohndruck, eine Waffe in der Hand, die ihm durch Verdrängung der höher bezahlten Arbeit den Eintritt in die Wirtschaft seines neuen Vaterlandes erzwingen kann. Unter palästinensischen Bedingungen liegen diese entscheidend wichtigen sozialen und ökonomischen Verhältnisse genau umgekehrt, ein Grund für die Shaw-Kommission, sie deshalb auch an keiner Stelle zu erwähnen, oder gar in ihrer Bedeutung zu analy- 34) Seite 97—98.