Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 255 (sequence 23)
- Language
- German
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sagt. Das gleiche gilt für den zweiten Prozeß, in dem der auto- 255 matische Regulationsmechanismus der Aufnahmekapazität arbeitet — die periodischen Rückwanderungen. Auch sie sind ein legitimer Bestandteil des verschwenderischen Anpassungss3'stems, das die Einwanderung in der kapitalistischen Wirtschaft kontrolliert. Im Gegensatz zur Shaw-Kommission kennt jedes moderne Einwanderungs- und Siedlungsland diese Erscheinung. Auch viel reichere und größere Länder als Palästina haben sie mit in Kauf nehmen müssen. Es ist seltsam, daß man das noch ausdrücklich sagen muß. Nehmen wir als Beispiel Argentinien. Im Durchschnitt der Jahre 1870 bis 1880 betrug die Rückwanderung aus Argentinien 41.24 Prozent der Einwanderung, im Durchschnitt der Jahre 1880 bis 1890 betrug sie 23.59 Prozent, im Durchschnitt der Jahre 1890 bis 1900 62.49 Prozent, von 1900 bis 1910 46.86 Prozent. Im Maximum (1891) betrug sie 255.7 Prozent der Einwanderung, im Minimum (1887) 11.3 Prozent.25) Eine ähnliche Bewegung läßt sich leicht für jedes moderne Einwanderungs- und Kolonisationsland feststellen. Im Lichte dieser elementaren Ueberlegungen wird erst ganz klar, wie kurzsichtig und böswillig das Urteil der Untersuchungskommission mit Bezug auf den Verlauf der jüdischen Immigration nach Palästina ist. Die Kommission hätte allen Grund gehabt, sich darüber zu wundern, wie schnell und gut der Magen der palästinensischen boa constrictor arbeitet, wie bald das Land und die jüdische Kolonisationswirtschaft sich von der Absorption auch relativ starker Immigrationswellen erholt. Sie hätte diese Tatsache auf den Umstand der verhältnismäßig außerordentlich großen Kapitaleinfuhr und die wirtschaftliche Rührigkeit und Anpassungsfähigkeit der Immigranten zurückführen müssen. Statt dessen bringt der Bericht eine Schreckstatistik, aus der hervorgeht, daß die Einwanderungsrate nach Palästina mit 1364 Personen jährlich auf 100.000 Einwohner höher ist, als die Einwanderungsraten nach Neu-Seeland, Argentinien und Australien.26) Aber diese Statistik ohne die übrigen Faktoren der Funktionsgleichung sagt über die wirtschaftlichen Wirkungen und Wirkungsmöglichkeiten der Einwanderung nicht das Geringste aus. Die Kommission hätte weiter Grund gehabt, sich darüber zu wundern, daß trotz der hohen Einwanderungsrate die Rückwanderung im Laufe der Jahre 1919 bis 1929 durchschnittlich ungefähr 25 Prozent 2b) Dr. Georg Hiller, „Einwanderung und Kolonisation in Argentinien", Tabelle 1—3, Seite 137—138. ™) Seite 152.