Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 254 (sequence 22)
- Language
- German
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254 konkreten Knotenpunkte der Investition, noch den Lebensstandard der Einwanderer zu regulieren vermag, auch die Konsequenzen aus dieser Sachlage ziehen. Solange im allgemeinen die sogenannte „freie Wirtschaft" vorherrscht, solange muß auch die ökonomische Regulierung des Einwanderungsprozesses die Züge des bestehenden Wirtschaftssystems tragen. Solange mag es wohl administrative Eingriffe in den Gang der Einwanderung, administrative Regeln über ihre Ordnung geben. Eine Verfügung des Kolonialamts kann, auch nachdem die „ökonomische Aufnahmekapazität des Landes" auf Grund von Beobachtungen des Arbeitsmarkts seitens der Palästinaregierung, des Immigrationsdepartements, der zionistischen Exekutive und der Arbeiterorganisation auf eine bestimmte Ziffer von zulässigen Neueinwanderern abgeschätzt worden ist, die Zertifikate annullieren und die Arbeiterimmigration zum Stillstand bringen. Die Gründe dafür können politischer oder taktischer oder administrativer oder psychologischer Natur sein. Mit der ökonomischen Regulierung des Einwanderungsprozesses haben diese administrativen Maßnahmen jedenfalls nichts zu tun. Solange die „freie Wirtschaft" herrscht, solange muß man in Kauf nehmen, daß in gewissen Grenzen auch die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit sich „frei" reguliert, ein automatischer Mechanismus zwecks periodischer Wiederherstellung des ökonomischen Gleichgewichts die Kontrolle übernimmt. Dieser Mechanismus arbeitet in zwei Prozessen. Der eine ist der, den der australische Commonwealth-Statistiker, Mr. Ch. Wickens, sehr treffend das „boa constrictor-Prinzip" für die Absorption der Einwanderung genannt hat. In seinem Essay „Australian Population, its Nature and Growth"24) sagt er darüber: „Auf unsere Erfahrung in den vergangenen Jahren zurückblickend, kann beinahe gesagt werden, daß wir wie die Riesenschlange (Boa constrictor) die Gewohnheit haben, unsere Einwanderer anzulocken und dann untätig bleiben, bis wir sie verdaut haben. Ein solches Vorgehen: Verschlingen, abwechselnd mit Untätigkeit, scheint nicht der wünschenswerteste Weg zur Organisierung der Entwicklung unseres Landes zu sein." Aber obwohl das gewiß nicht „der wünschenswerteste Weg" der Regulierung sein mag, so ist er doch unvermeidlich, solange die Kolonisations- und Erschließungstätigkeit nicht vollkommen durchorganisiert und planmäßig vor sich geht. Wer in den Wald gehen will, darf sich vor den Wölfen nicht fürchten, wie das Sprichwort 24) Pacific Relations Series, Nummer 1, Seite 54.