Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 248 (sequence 16)
- Language
- German
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Westpalästinas die Bevölkerungsdichte bis 80 pro Quadratkilometer angewachsen ist, daß auf der anderen Seite von Ostjordanien der Wüstenbezirk ausgeschaltet werden muß, um zu einer brauchbaren Ziffer der relativen Bevölkerungsdichte zu kommen. Zieht man diese Faktoren in Betracht, so verhält sich die Bevölkerungsdichte von Ost- und Westjordanien vielleicht nicht wie 1:6, sondern nur wie 1:3 oder 1:4. Ein administrativer Akt der britischen Verwaltung hat also ein drei- oder viermal dünner besiedeltes Gebiet aus dem jüdischen Kolonisations- und Wirtschaftsbereich künstlich ausgeschlossen und so erst die Schwierigkeiten und Preise auf dem westjordanischen Bodenmarkt gesteigert, um hinterher einer britischen Kommission die Möglichkeit zu geben, zu dem Schluß zu kommen, das Problem der Bodenknappheit schiebe dem jüdischen Aufbauwerk einen Riegel vor. Es läge in der Macht der Mandatsregierung, dieses ganze Problem aus der Welt zu schaffen und für die Zeitspanne der nächsten dreißig oder vierzig Jähre Spannungen auf dem westjordanischen Bodenmarkt, wenn sie bestehen, zu beseitigen, indem sie den Riegel vor Transjordanien zurückschiebt. Die östliche Provinz des Mandatsgebiets muß der Freiheit wirtschaftlicher Erschließung und Besiedlung geöffnet werden. Man erzähle uns keine Gespenstergeschichten. Es wäre die Pflicht der Mandatarmacht, den Emir Abdallah zu einer fortschrittlichen Politik wirtschaftlicher Erschließung seines Landes zu veranlassen. Die unschätzbaren Vorteile einer solchen Politik für das ganze Land und die transjordanische Staatskasse liegen ja ohnedies auf der Hand. Es ist nur die Passivität der britischen Behörden, die das Ostjordanland dazu verurteilt hat, in den primitiven Wirtschaftsformen und den armseligen Lebenstraditionen des Nomadentums zu stagnieren. Hätte die Shaw-Kommission das alles gesehen, hätte sie kolonisatorischen Weitblick und volkswirtschaftliche Intelligenz besessen, hätte sie die Transformation der palästinensischen Wirtschaft in ihrem Gesamtzusammenhang erfaßt, den Prozeß der Modernisierung und Intensivierung der palästinensischen Landwirtschaft nicht als eine schematische „zweite Periode", sondern als eine lebendige sozialökonomische Entwicklung, wie sie sich vor unseren Augen seit Jahrzehnten abspielt, begriffen, hätte sie als Folge davon die Freimachung großer Teile des Landes, insbesondere der Küstenzone, für intensivste kolonisatorische Ausnutzung in Rechnung gesetzt, die Einbeziehung der transjordanischen Provinz in den Bereich wirtschaftlicher Erschließung und