Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 245 (sequence 13)
- Language
- German
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sollte sich schuldig bekennen, über Nacht einen Markt für den 245 Absatz der Erzeugnisse intensiver Landwirtschaft, des Gemüsebaues und des Molkereibetriebes, geschaffen zu haben. Er sollte sich schuldig bekennen — auch wenn die Tatsache der Versetzung einer Anzahl von Fellachenpächtern von einem Dorf in andere Dörfer feststeht —, durch seine hohen Kaufsummen und Geldabfindungen solche Kapitalien in bestimmte Bezirke der Fellaehenwirtschaft gepumpt zu haben, daß dort der Aufbau intensiver gemischter Betriebe oder die Anlegung von Pflanzungen möglich geworden ist. Aber diese Prozesse, die mit dem Landproblem in engstem Zusammenhang stehen, werden von unserer Kommission gar nicht durchschaut. Alles was unter der äußeren Oberfläche der Zeugenaussagen in der Wirtschaft des Landes selbst vor sich geht — das ist ihr Hekuba. Die Kommission weiß deshalb gar nicht) daß das Problem der Bodenknappheit in der arabischen Wirtschaft Palästinas gerade dort am drückendsten empfunden wird, wo die jüdische Kolonisation bisher überhaupt nicht Fuß gefaßt hat, in den abgelegenen Distrikten des ganz armen und extensiven Fellachenbetriebs und in den Bergen, wo seit Generationen die große Masse der arabischen Dörfer gelegen ist. Ebenso weiß die Kommission anscheinend nicht, daß, auch soweit es eine Emigration aus Palästina vor und nach dem Kriege gegeben hat, diese Emigration überwiegend aus diesen von der jüdischen Wirtschaftstätigkeit nicht angerührten Gegenden, aus Dörfern, wie Bet Djallah und Ain Kerem, aus christlichen Landstädtchen, wie Bethlehem und Nazareth, vor sieh gegangen ist. Sie will nicht wissen — obwohl das Memorandum der Arbeiterorganisation ihr auch diese Tatsache zahlenmäßig belegt zur Kenntnis gebracht hat —, daß unter dem Einfluß der zionistischen Kolonisation die Gesamtauswanderung von Nichtjuden aus Palästina nach dem Kriege geringer ist, als sie vor dem Kriege war, daß sie proproportionell kleiner ist als die Auswanderung aus den übrigen Teilen Syriens nach dem Kriege. Die Kommission will das nicht wissen, weil sie die unbequemen Schlüsse aus alledem nicht ziehen will. Statt dessen bindet sie der britischen Oeffentlichkeit die Märchen des Mr. Farah auf. Statt dessen ist die Kommission von großer Sorge erfüllt über die wirtschaftlichen Aussichten auch der einzigen Bodenzone Palästinas, deren ökonomische Aussichten sie im allgemeinen anerkennen muß, der Pflanzungszone. „Bisher", heißt es im Bericht15), „hat die Nachfrage für die iö) Seite 122.