Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 244 (sequence 12)
- Language
- German
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244 ^en Schuldenlast, also sozusagen eine Konversion eines Teils der Fellachenschuld. Auch das mag wichtig genug sein. Es mag in hunderten von Fellachenfamilien den Uebergang von einem echten Hungerleiderleben zu einem dreiviertel Hungerleiderleben bedeuten. Aber den toten Punkt in der orientalischen Wirtschaft, das, was die Forscher ihren „Gleichgewichtzustand" genannt haben, kann sie nicht überwinden. Das können auch andere wichtige Maßnahmen, wie Reformen des Pachtrechts, nicht mehr als fördern. Auch solche Reformen, wie das Recht des Pächters auf Entschädigung für die von ihm ausgeführten Ameliorationen, das Recht eines Dauerpächters auf Anspruch einer Sondervergütung bei Kündigung, sind wertvoll genug. Aber bleibt es bei diesen administrativen und legislativen Maßnahmen, so muß die Modernisierung der orientalischen Wirtschaft ein langdauernder Prozeß sein, in dessen Verlauf alle die qualvollen Zuckungen und tief eingreifenden Umwälzungen, die mit der Entwicklung des Frühkapitalismus überhaupt verbunden sind (Verelendung der überschüssigen landwirtschaftlichen Bevölkerung, extreme Ausbeutung von Frauen- und Kinderarbeit, Pauperisierung der Handwerker durch den billigen Massenimport, Vagabundentum, Auswanderung), mit verstärkter Wucht auftreten. Eine schnelle und rationelle Lösung dieses Problems kann nur in einer schnellen und relativ hochgradigen Kapitalisierung dieser Länder gefunden werden. Ihre Wirkung und ihr Ziel wird die Ablösung der alten Formen des Bodenbesitzes und der Bodennutzung durch ein System selbständigen bäuerlichen Kleinbesitzes sein. Ein drittes dieser Dinge ist die Verdrängung der Nomadenbanden aus dem Bereich der festen Siedlung und Wirtschaft. Die Seßhaftmachung eines Teils der Stämme in extensivster Form im äußersten Randgebiet, an der Wüstengrenze, die Abdrängung über die Wüstengrenze desjenigen Teils, der jeder Wandlung des beweglichen Zelts in friedliche feste Hütten widerstrebt. Der Zionismus sollte sich schuldig bekennen, alle diese Prozesse, die die Modernisierung der stationären orientalischen Wirtschaft begleiten, in seinem Wirkungsbereich gefördert zu haben. Der Zionismus sollte sich schuldig bekennen, innerhalb der Grenzen Palästinas eine dynamisierende Kraft bereitgestellt zu haben, wie es sie, proportionell gemessen, in diesem Ausmaß für die Kapitalisierung und Europäisierung keines andern orientalischen Wirtschaftsgebiets gegeben hat. Er sollte sich schuldig bekennen, an der Zerschlagung des Großgrundbesitzes mitgewirkt zu haben. Er