Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 242 (sequence 10)
- Language
- German
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242 ^e^ne Flächen reduzieren können, weil ihr infolge der starken und relativ kaufkräftigen Einwanderung, der Entwicklung einer städtischen Konsumentenmasse, ein verhältnismäßig bedeutender innerer Markt zur Verfügung steht. Die Entwicklung des inneren Marktes bedeutet die Möglichkeit der langsamen Schuldablastung, diese die Möglichkeit von Verbesserungen im Betriebe und so fort. Wenn diese Umwälzung der Nachkriegsperiode nicht stattgefunden hätte, wenn das Pacht- und Wuchersystem, die Betriebsweise, die Erträge, die Produktionsrichtung der gewöhnlichen Fellachenwirtschaft von vor 25 Jahren unangetastet und unverändert weiter bestanden hätte, so hätten schon bis heute zweifellos viele Tausende, die jetzt als Gemüsebauer, Geflügelzüchter, Milch- und Butterlieferanten und Plantagearbeiter ihr Auskommen finden, das Land verlassen müssen. Ohne die jüdische Immigration wäre eine steigende arabische Emigration absolut unvermeidlich geworden. Aber das versteht der Sheikh von Beersheba nicht. Und gehen wir nur geradeaus weiter — der Katastrophe entgegen. Die Welt ist weggegeben. Jede bodenständige arabische Familie hat nach dem Bericht gerade und ausgerechnet etwa 100 Dunam zu ihrer Verfügung. Aber die Bevölkerung wächst. Im Verlauf der nächsten dreißig Jahre soll der Netto-Geburtenüberschuß der eingeborenen Bevölkerung etwa 300.000 Seelen betragen. Was soll eigentlich aus diesen Unglücklichen in diesem symmetrisch verteilten und vollkommen besetzten Land werden? Ihre Ernährung mittels einer Senkung des Lebensstandards ist ausgeschlossen, da der Lebensstandard nicht unter die Grenze des physischen Existenzminimums sinken kann. Wenn kein einziger Jude mehr ins Land kommt, alles beim Status quo bleibt, das altehrwürdige Pachtsystem nicht angetastet wird, jeder „cultivator" von zwei englischen Gendarmen bewacht ist, kein böses Kapital ihn von seiner Scholle vertreibt, dann müssen diese dreihunderttausend Menschen das Weite suchen. Im Rahmen einer stationären palästinensischen Wirtschaft ist für sie kein Platz. In eiitem Palästina aber, das * 7 durch ein großes modernes Wirtschaftswerk erschlossen, das durch Kolonisation und Kapitalimport dynamisiert und modernisiert, durch technische und wissenschaftliche Durchdringung zu einer rationellen ökonomischen Leistung gehoben wird, steht zu hoffen, daß nicht nur für sie und die jüdischen Einwanderer, sondern auch für ihre Kinder und Kindeskinder Erwerbsmöglichkeiten gefunden werden können, wenn auch nicht in den altehrwürdigen Formen, von denen die patriarchalisch veranlagte Kommission träumt.