Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 240 (sequence 8)
- Language
- German
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240 wer(len können und juristische Formeln das wirtschaftliche Leben nicht zwingen, steht auf einem besonderen Blatt. Was aber die Kommission gar nicht bedacht zu haben scheint, ist, daß wenn diese Vorschläge durchführbar wären, ihre wirklichen Folgen die sein müßten, den Fellachen und Pächter ad calendas graecas in den Händen des Großgrundbesitzers und des Wucherers zu lassen. Rechne man in einer Minute die Gesamtsumme der bäuerlichen Verschuldung ungefähr aus, so kann man leicht erkennen, wie unmöglich es ist, diese Folgen etwa durch eine landwirtschaftliche Bank der Regierung zu beseitigen. Es gibt eigentlich keinen schlagenderen Beweis für die-Absurdität dieser Status quo-Auffassung auf dem Gebiet des Bodenproblems als das Beispiel, das der Bericht ausführlich darstellt13), um vor der Oeffentlichkeit die Gefahr der jüdischen Bodenpolitik zu brandmarken. Dieses Beispiel heißt: Wadi el Hawarat. Die Fläche von Wadi el Hawarat wird im Bericht mit 30.826 Dunam angegeben (in Wahrheit ist sie erheblich größer). Die auf diesem Boden fest ansässige Bevölkerung gibt der Bericht mit ungefähr 1200 an (in Wahrheit ist sie erheblich kleiner, da sich inzwischen dort auch die Beduinen der Umgegend, die Profit wittern, eingefunden haben). Die Bodennutzung besteht nach der Darstellung des Berichts aus Viehweiden und Melonenanbau. Der Wert des Bodenertrages soll sich auf Grund der Oscher-Einschätzung von 1928 „auf mindestens 7000 Pfund" belaufen. Diese Böden sind also bearbeitet und bieten nach der Ansicht der Kommission keinen Raum für eine bedeutendere Siedlungstätigkeit. Es gibt nicht einmal mehr ein Plätzchen, nach dem man die geeigneten Pächter überführen könnte. Wahrlich, ein Dokument von unserer Zeiten Schande. Das wirkliche Wirtschaftsproblem Wadi el Hawarat sieht aber wie folgt aus: Soweit unser Wissen reicht, ist wenigstens die Hälfte der Gesamtfläche Pflanzungsboden, der für Citruskulturen geeignet ist. Infolge davon braucht die Betriebsgröße für einen modernen Kleinsiedler die Grenze von 20 Dunam nicht zu überschreiten. Das heißt, daß diese Böden ganz direkt 1500 arbeitende Siedlerfamilien oder ungefähr 7500 Seelen, das heißt, das Sechsfache der gegenwärtigen Bevölkerung, anständig menschlich, auf Grund eines europäischen Lebensstandards, nicht in permanentem Halbhunger wie heute, ernähren können, Rechnet man dazu die Bevölkerung, die indirekt, als Handwerker, Lehrer, Händler, Aerzte, Chauffeure, Beamte in diesen Siedlungen iy) Seite 118—119.