Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 239 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2379786-2379883-2379889-2391719--10874-2391945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sicherere Bürgschaft für den Frieden des Landes ruht, als in den 239 Kolonien, die arabische Arbeit ausbeuten? Die gleiche rührende Fürsorge läßt die Kommission der Lebensweise und der „produktiven" Wirtschaftsführung der Beduinen angedeihen. Auf den Aussagen Mr. Farahs fußend, stellt die Kommission die Wirkungen fest, die der jüdische Bodenerwerb für das Leben des Beduinen hat. Auch hier wird der status quo ante verbrecherisch angetastet. „Solange die Dörfer von arabischen Bauern bewohnt waren, waren sie gewöhnt, nach der Ernte auf die Felder zu ziehen und ihre Herden auf dem Boden zu weiden, der jetzt verkauft ist. Als die Dörfer übereignet wurden, waren die Beduinen, ebenso wie die Bauern, abgeschnitten."10) Wie muß dieser Mr. Farah gelacht haben, als er diese Geschichte im Bericht las. Die Kommission scheint also gar nicht zu wissen, daß zwischen Beduinen und Fellachen Urfehde besteht, die wahrscheinlich so alt ist wie die menschliche Siedlung überhaupt; daß die Weiderechte des Nomaden, dem wehrlosen Bauern abgetrotzt, von Ernteraub, Diebstählen und Ueberfällen begleitet, zu den Erscheinungen im sozialen Leben" der Wüstenrandgebiete gehören, die den kulturellen Aufstieg dieser Gebiete immer wieder aufgehalten haben; daß es kein wirtschaftliches und soziales Aufblühen für diese Länder geben kann, so lange nicht die ansässige Bevölkerung stark genug ist, der Tradition der Wüste die Stirn zu bieten. Und aus der gleichen status quo-Einstellung heraus behandelt die Kommission das Pächterproblem. Die Protection of Cultivators Ordinance 1929, die den ersten ernsten Versuch darstellt, das Pachtrecht Palästinas zu modernisieren, nach dem Vorgang andrer erwachender Agrarländer ein dynamisches und wirtschaftsförderndes Element in dieses faule und stagnierende Pachtsystem hineinzutragen, findet in den Augen der Berichterstatter kein Wohlgefallen. Sie geht ihr nicht weit genug. Dafür will sie das gegenwärtige Pachtsystem mit seinen verheerenden Folgen für das Dasein des Fellachen möglichst unangetastet erhalten wissen. Sie erwägt daher nicht nur eine dem ägyptischen Feddan-Gesetz nachgebildete Maßnahme11), sondern auch die Zweckmäßigkeit eines Verbots „der Uebereignung arabischer Böden an Niehtaraber"12) und ähnliche Vorschläge. Daß alle derartigen Gesetze mehr oder weniger unwirksam sind, weil sie in der Praxis immer umgangen io) Seite 118. u) Seite 124. 12) Seite 124.