Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
- Language
- German
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238 ^er Kommission romantisch verklärt „Kooperation" genannt und den zukünftigen Ansiedlern zur Nachahmung empfohlen. Es ist einer der schwersten Vorwürfe gegen Snell, daß er die verlogene Idealisierung dessen, was hier Kooperation genannt wird, nicht durchschaut und demaskiert hat. Denn was hier Kooperation genannt wird, ist ein System der Ausbeutung, der Ausbeutung der Masse durch eine Minorität, an deren Stelle die jüdische Nachkriegskolonisation ein Siedlungswerk auf der Grundlage eigener Arbeit gesetzt hat. Die Kommission hat anscheinend noch nicht gehört, daß eine Kolonisationsmethode, die auf der Ausbeutung der Landesbevölkerung durch eine Minorität europäischer Einwanderer aufgebaut ist, von den führenden Kolonisationsfachleuten aus sozialen und politischen Gründen verworfen wird. In ihrem Vorwort zu der wichtigen Aufsatzsarnmlung „The Peopling of Australia" schreiben zum Beispiel die australischen Professoren Philipps und Wood: „Ein wesentlicher Grundsatz für eine gesunde Gemeinschaft ist, daß sie ihren Anspruch auf einen Landstrich (region) dadurch rechtfertigen muß, daß sie vorbereitet ist, die Handarbeit zu leisten, welche zur Entwicklung des Landes nötig ist. Dieser Grundsatz hat eine wichtige Bedeutung für die Kolonisation in Nordaustralien. Zweifellos wäre der weiße Siedler zeitweise in einer guten Lage, wenn Australien geeignet wäre für gemietete Arbeit und ebenso zweifellos würde die herrschende Rasse in bezug auf Körper und Charakter degenerieren." 9) Aber die Kommission scheint auch gar nicht zu wissen, daß sie gerade die Bedingungen, die sie hier als Kooperation idealisiert — eine kleine eingewanderte Minorität, die Massen eingeborener Arbeiter beschäftigt — die Bedingungen sind, die von jeher den klassischen Hintergrund für Agrarunruhen gebildet haben und bilden und gewöhnlich über kurz oder lang mit der Vertreibung der kleinen grundbesitzenden Pflanzerschicht enden. Und hat nicht auch unsere Erfahrung von Pethach Tikwah bis Hebron gezeigt, daß die „Arbeitsgemeinschaft", die zwischen der jüdischen „Vorkriegssiedlung" und ihren arabischen Nachbarn bestanden hat, gar nicht so ideal gewesen ist, wie es sich die Koinmission in ihrer Phantasie vorstellt? Haben wir uns nicht davon überzeugen können, daß in unseren, auf eigener Arbeit aufgebauten Siedlungen eine 9) Seite 37; Philipps and Wood: „The Peopling of Australia".