Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1930-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1930) · p. Seite 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1930)
Article
Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
Date
1930-07-01
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379883-2379889-2391719--10872-2391943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rechtsanwälte sich diese Chance nicht hätten entgehen lassen, 23T wenn sie auch nur einen hätten auftreiben können. Aber lassen wir auch die Katastrophentheorie und nehmen wir unsererseits das Bodenproblem auf. Wir brauchen nicht zu betonen, daß die palästinensische Arbeiterbewegung in der Grundansehauung, nach der der Schutz der elementaren Interessen der werktätigen arabischen Bevölkerung, das heißt also auch des Rechts des arabischen Bauern auf einen für seinen Lebensunterhalt genügenden Landanteil, unsere und der Regierung Pflicht ist, mit der Kommission völlig übereinstimmt. Im Prinzip besteht keine Meinungsverschiedenheit. Aber in der Ausdeutung des Prinzips bestehen recht ernste Meinungsverschiedenheiten. Uns ist jedenfalls klar, daß das Bodenproblem nicht an und für sich als ein alleinstehendes und abstraktes Problem, sondern nur im Rahmen des Ganzen der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes betrachtet werden kann. Daher ist es uns auch klar, daß es als Entwicklungsproblem nicht als statische Berechnung untersucht werden muß. Uns ist klar, daß aus einer statischen Berechnung heraus man nur zu einem Schluß kommen kann, daß nämlich die Bevölkerung des Landes auch für unabsehbare Zukunft zu Elend und Armut, Stagnation und Entartung verurteilt ist. Aber der Kommission (die hier ihr professionelles Gesicht enthüllt — die Mehrheit der Kommission bilden Juristen—) ist klar, daß auch auf dem Gebiet wirtschaftlicher und sozialer Fragen es ein Gebot gibt, das über alle geht, das Gebot, das auch an der Klagemauer seine große heilende Kraft erwiesen hat: die Beibehaltung des status quo. Die Ausführungen des Berichtes zur Boden- und Immigrationsfrage sind nichts anderes als die Uebertragung der status quo-Lehre auf das Gebiet der Wirtschaft und Gesellschaft. Wieviel Begeisterung verschwendet zum Beispiel der Bericht auf die Darstellung der idealen Arbeitsgemeinschaft, die (nach der Zeugenaussage Smilanskys) zwischen den jüdischen Siedlungen und ihren arabischen Nachbarn vor dem Kriege bestanden hat7), als nur wenige Juden ins Land kamen, diese wenigen Juden hunderten von arabischen Arbeitern Lebensunterhalt gaben, langsam ihre Lebensbedingungen verbesserten und sie eine moderne Wirtschaftsführung in ihren eigenen Dörfern lehrten. Auch die Zeugenaussage des Bürgermeisters von Nablus zu diesem Punkt wird ausführlich zitiert.8) Und dieses soziale System der Kolonisation wird von 7) Seite 122. 8) Seite 113.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.