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Palästina · 1930-06-01 · Heft 6 (Juni 1930) · p. Seite 213

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 6 (Juni 1930)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1930-06-01
Page
Seite 213 (sequence 3)
Language
German
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und dem1 Zionismus günstig gesinnt ist, erfüllt werden wird. Auch in weiteren jüdischen Kreisen hatte sich diese Erwartung festgesetzt, und man nannte allgemein den Namen des Generals Smuts. Statt dessen hat aber die Regierung einen anderen Mann entsandt, der keine politische, sondern eine rein technische Aufgabe zu lösen hat, nämlich Sir John Hope-Simpson, einen früheren hohen Beamten des indischen Zivildienstes, der als Völkerbundkommissär zusammen mit Sir John Campbell mehrere Jahre die Ansiedlung der repatriierten griechischen Flüchtlinge geleitet hat. Diese Entsendung erfolgte am 1. Mai, ohne daß dem Vertreter der Jewish Agency in London die Möglichkeit gegeben wurde, mit Simpson in Verbindung zu kommen und ihm den jüdischen Aspekt des Problems darzulegen. Die Regierung benützte die Entsendung von Simpson dazu, um jede weitere Entscheidung vorderhand aufzuschieben. Da Simpson vor allem das Bodenproblem und im Zusammenhang damit die Frage der Aufnahmsfähigkeit des Landes für neue Einwanderer zu untersuchen hat, sollte vor allem auf diesen beiden Gebieten der Status quo nicht geändert werden. Darum wurden die provisorischen Einwanderungsbeschränkungen verhängt und gleichzeitig angekündigt, daß Maßnahmen zum Schutze der landwirtschaftlichen Bevölkerung in Vorbereitung seien. Sir John Simpson ist inzwischen in Palästina an die Durchführung seiner Aufgabe herangetreten und hat dort auch verschiedene Vertreter der Jewish Agency empfangen, vor allem Dr. Ruppin, der ihm über die jüdischen Kolonisationsmethoden und Kolonisationspläne Aufschluß gab. Am 3. Juni wurde in Genf die Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes eröffnet, die sich mit Palästina zu befassen hat. Die englische Regierung hat der Mandatskommission eine Darlegung ihres Standpunktes in Form eines Weißbuches überreicht. Darin wird nun zwar noch nicht die künftige Palästinapolitik festgelegt, aber die Regierung erklärt, daß sie den von der Jewish Agency so scharf angegriffenen Shaw-Bericht in denjenigen Teilen, die direkt mit den Unruhen zusammenhängen, akzeptiert. Was die anderen Teile betrifft, so wolle die Regierung die Expertise von Simpson abwarten. Durch diese Haltung der Regierung haben sich die Beziehungen zwischen Jewish Agency und Mandatarmacht beträchtlich verschlechtert. Die zionistische Bewegung und der Jischuw sind heute in großen Teilen ausgesprochen antienglisch gestimmt, und in Versammlungen und Presse taucht immer wieder der Gedanke auf, man müsse England der Verletzung des Mandats bezichtigen und andere politische Freunde suchen. Diese, wie uns scheint, etwas anfechtbare und jedenfalls keineswegs in allen Konsequenzen durchdachte Haltung findet ein stimmungsmäßiges Echo bei den jüdischen Massen, die sich betrogen und verraten fühlen. Aber während früher die politische Leitung, vor allem der Präsident der Jewish Agency Dr. Weizmann, solchen Auffassungen stets, trotz der damit verbundenen Unpopularität, mit starkem Realitätssinn entgegengetreten ist, ist diesmal von einer derartigen Einflußnahme nichts zu spüren. Vielmehr hat man den Eindruck, daß der gegen die Mandatarmacht gerichtete Kurs, der deutlich und unzweideutig durch die erste Anklagerede des Anwalts der Jewish Agency Sir Boyd Meeriman vor der Shaw-Kommission initiiert wurde und die gesamte Kolonialbeamtenschaft ins Lager der Judengegner gedrängt hat, offiziell weiter verfolgt wird. Man muß sich daräuf gefaßt machen, daß dies jetzt die taktische Position ist, von der aus sich die weitere Auseinandersetzung vollziehen wird. Zur Sitzung der Mandatskommission hat die Jewish Agency außer ihrem alljährlichen Arbeitsbericht diesmal noch ein zweites Memorandum in Form eines Graubuches überreicht, das eine Antwort auf den Bericht der Shaw-Kommission darstellt. In dieser Antwort werden in geschickter Weise die Widersprüche aufgedeckt,

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