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Palästina · 1930-06-01 · Heft 6 (Juni 1930) · p. Seite 212

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 6 (Juni 1930)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1930-06-01
Page
Seite 212 (sequence 2)
Language
German
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die Shaw-Kommission gar kein Interesse zugewandt. Im allgemeinen wurde erklärt, daß die Shaw-Kommission es als ihre Hauptaufgabe betrachtet habe, die Palästina- Administration reinzuwaschen. Aus Loyalität gegenüber den Kolonialbeamten mußte der Bericht so konstruiert werden, daß die Verwaltung von tieferer Schuld freibleibt. Dies konnte nur dadurch geschehen, daß man die Aufgabe der Verwaltung als schlechthin undurchführbar charakterisierte. Dies wollte also der Shaw-Bericht tun. Unter diesen Gesichtspunkten wurde von den Organen der Jewish Agency der Kampf gegen den Shaw-Bericht geführt, und es wurde angekündigt, daß eine ausführliche Antwort gegen den Bericht vorbereitet wird. Der Präsident der Jewish Agency Dr. Weizmann veröffentlichte im „Manchester Guardian" eine Polemik, in welcher er die Feststellungen des Berichtes bestritt und nachdrücklich erklärte, ohne Einwanderung und Boden gäbe es kein Nationalheim. Die Haltung der englischen Regierung war von Anfang an zweideutig. Mitglieder der Regierung erklärten wiederholt, eine Einschränkung der Einwanderung werde erforderlich sein, zugleich aber wurde versichert, daß sich an der Durchführung des Mandats nichts ändern kann. Seitens der Jewish Agency wurde wiederholt bei der Regierung interveniert. An diesen Aktionen beteiligte sich außer Dr. Weizmann auch Felix Warburg, ferner Lord Melchett, Lord Reading und der Präsident des Waad Leumi Herr Rutenberg. Da zur selben Zeit die arabische Delegation in London ihre Forderungen vortrug, hatte die Agency sich auch zu diesen Forderungen zu äußern. Es wurde der Regierung klargemacht, daß die arabischen Forderungen für die Juden unannehmbar sind und Konzessionen an die Araber als Verletzung des Mandats betrachtet würden. Die Araber, die ursprünglich vor allem die Schaffung einer demokratischen Volksvertretung und konstitutionellen Regierung gefordert hatten, wurden durch den Shaw-Bericht ermutigt, als weitere Hauptforderungen die Einstellung der jüdischen Immigration und die Verhinderung des Bodenverkaufs an Juden aufzustellen. In den weiteren Verhandlungen, die die Regierung unter Teilnahme MacDonalds einerseits mit den Arabern, anderseits mit der Jewish Agency führte, ergab sich die Unmöglichkeit, die beiden Standpunkte in Einklang zu bringen. Am 13. Mai mußte daher die Regierung die arabischen Forderungen offiziell zurückweisen, wodurch die Besprechungen zu einem Ende gekommen waren. Die Araber verließen London mit einer Proklamation, worin sie in Aussicht stellten, sie würden jetzt die ganze mohammedanische Welt zu Hilfe rufen, um Palästina vor der Vergewaltigung durch die zionistische Politik zu retten. Inzwischen hatten die Protestresolutionen der indischen Mohammedaner ihren Eindruck auf die Regierung nicht verfehlt. Die Regierung war offenbar auf den schnellen Abbruch der Verhandlungen nicht gefaßt, aber es lag ihr daran, sichtbar zu beweisen, daß unabhängig von den Forderungen der arabischen Delegation die Mandatarmacht selbst die nichtjüdischen Interessen in Palästina schützt. Aus diesem Grunde wurden am 14. Mai 2300 Einwanderungszertifikate, die kurz zuvor von der Palästinaverwaltung bewilligt worden waren, wieder zurückgezogen, was in der gesamten jüdischen Welt eine außerordentlich große Erregung hervorrief. Zum erstenmal griff der palästinensische Jischuw zu dem Mittel des Proteststreiks, und in allen jüdischen Zentren wurden unter großer Beteiligung der Juden aller Schichten Protestkundgebungen abgehalten, deren Beschlüsse den englischen Vertretern in dem betreffenden Lande überreicht wurden. Die Jewish Agency fühlte sich offensichtlich durch das Verhalten der englischen Regierung und insbesondere des Colonial Beamtes brüskiert. Auf Grund der Kritik des Shaw-Berichtes hatte man angenommen, daß die jüdische Forderung nach Entsendung eines politischen Kommissärs, der alle Implikationen der Judenfrage kennt

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