Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1930)
- Article
- Über die Wandlungen in der Struktur des Grundbesitzes in Palästina
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
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Landwirtschaft, wie er seit jeher in Palästina herrschte, war es möglich, daß sich ein Pächterstand erhalten konnte, wie er gegenwärtig im Lande vorhanden ist. Denn es handelt sich um Pächter, die das kümmerlichste Dasein fristen, ohne Aussicht zu haben, jemals selbständige Bauern mit einem noch so kleinen Bauernhof zu werden. Es ist für sie ein Ding der Unmöglichkeit, die Böden, auf denen sie als zeitweilige Pächter arbeiten, durch Kauf von dem Eigentümer zu erwerben. Ihre hoffnungslose Armut gestattet ihnen nicht, durch irgendwelche noch so kleine Investitionen ihre Wirtschaft über das gegenwärtige dürftige Niveau hinauszuheben. Wie kann man dann von dem Erwerb von Boden sprechen, der so teuer bezahlt werden muß? Nach dem Weltkriege wurde Palästina in raschem Tempo in das Fahrwasser der kapitalistischen Entwicklung hineingezogen. Die alten Formen des Wirtschaftslebens, die den feudalen noch sehr nahe standen, sind infolge vielfacher ökonomischer und politischer Ursachen in schneller Umwandlung begriffen und machen neuen Formen Platz. Die wirtschaftlichen Ursachen liegen hauptsächlich in einem starken Zustrom ausländischen, das heißt jüdischen Kapitals, welches neue ergiebige Zweige in Landwirtschaft und Industrie ins Leben gerufen hat, sowie in der Einwanderung neuer, tatkräftiger Elemente, die, mit Energie und Sachkenntnis ausgerüstet, sich eine Existenz im Lande zu schaffen suchen. Die politischen Ursachen findet man in dem neuen Regime Palästinas, in der Einführung einer Verwaltung, die manche Reformen auf dem Gebiete der Gesetzgebung eingeführt hat. Mit dem Einsetzen der kapitalistischen Entwicklung müssen mehr oder weniger rasch alle Überreste der alten Wirtschaftsordnung weichen, darunter in erster Linie die der feudalen Form des Grundbesitzes: der Absentismus, das Brachliegenlassen der Ländereien, die alte Form der Pacht. Damit ist auch der proletarische Pächterstand zum Verschwinden verurteilt. Der Prozeß der Einbeziehung Palästinas in den kapitalistischen Wirkungskreis war, wie gesagt, unvermeidlich und ist deswegen von der jüdischen Kolonisation nicht so sehr hervorgerufen, als in einem sehr starken Maße gefordert und beschleunigt worden. So hat er sich in einer relativ kurzen Zeitspanne vollzogen, während er ohne die jüdische Arbeit zu seiner Gestaltung vielleicht noch viele Jahre gebraucht hätte. Die Beurteilung der Rolle der jüdischen Arbeit im Lande überhaupt und in der Beschleunigung der Produktivität der palästinensischen Wirtschaft hängt in hohem Maße von der politischen Einstellung zum jüdischen Aufbauwerk im Lande ab. Es gibt manche, die eine langsame Entwicklung Palästinas vorziehen würden, nur um die Einmischung „außenstehender Kräfte" zu vermeiden. Dies ist zum Beispiel die Meinung der