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Palästina · 1930-06-01 · Heft 6 (Juni 1930) · p. Seite 195

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 6 (Juni 1930)
Article
Über die Wandlungen in der Struktur des Grundbesitzes in Palästina
Date
1930-06-01
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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zukaufen. Unter den Transaktionen, die die Effendis durchführen, sei hier kurz auf eine hingewiesen, die als Bodenspekulation schlimmster Art zu bezeichnen ist: Die Effendis verkaufen keinen eigenen Boden, sondern fungieren lediglich als Zwischenhändler, indem sie bei den Bauern Grundstücke aufkaufen, sie zu größeren Flächen vereinigen, um sie dann sofort an die Juden weiterzuverkaufen. Mitunter veräußern sie Ländereien, über die sie überhaupt kein Verfügungsrecht haben und ohne durch Kaufverträge mit den eigentlichen Grundbesitzern gedeckt zu sein. Hier aber ist nur von der Kategorie der eigentlichen Großgrundbesitzer die Rede. Die Bildung des Großgrundbesitzes ist durch mannigfache Momente geschichtlichen, juristischen und wirtschaftlichen Charakters bestimmt, auf die wir hier aber nicht näher eingehen können. Es liegt außer jedem Zweifel, daß die spekulativen Absichten der Großgrundbesitzer dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Ebenso aber wie sie nicht die alleinige Ursache der Bildung des Großgrundbesitzes waren, so ist in ihnen nicht das alleinige Motiv zu erblicken, das die Grundbesitzer später bewogen hat, ihren Besitz zu veräußern. Der Prozeß der Konzentrierung des Grundbesitzes findet seine Erklärung in der Geschichte der Entwicklung des Landes. Auch der zweite Prozeß, der der Zersplitterung des Großgrundbesitzes durch den Übergang der Ländereien in neue Hände, dem eine bedeutende Aufgabe im ökonomischen Aufschwung Palästinas in der neuen Zeit beschieden ist, lag völlig in der Linie dieser wirtschaftlichen Entwicklung. Er vollzieht sich unter dem Druck der veränderten ökonomischen Verhältnisse. Neben dem allgemeinen Fortschritt des Landes ist diese neue Gestaltung dem jüdischen Kolonisationswerk zu verdanken. Vor dem Weltkriege und insbesondere nach Beendigung desselben ist eine starke Verschiebung in den Grundeigentumsverhältnissen Palästinas festzustellen. Die wichtigste Ursache derselben ist in dem starken Anwachsen der Bodenpreise zu suchen, welches keinesfalls spekulativ, das heißt künstlich hervorgerufen wurde. Beim Vergleich größerer Zeitabschnitte kann eine starke und andauernde Steigerung der Bodenpreise beobachtet werden. Seit etwa einem halben Jahrhundert ist Palästina ein Kolonisationsland, welches große jüdische Kapitalien angezogen hat. Die Kolonisationsbestrebungen der Juden zielten in erster Linie auf Landwirtschaft hin und erforderten Boden. Vor dem Weltkriege sind bereits ausgedehnte Ländereien in den Besitz der Juden übergegangen, die etwa 516.000 Dunam, das heißt zirka 51j2% der anbaufähigen Fläche des Landes erworben haben. Nach dem Weltkriege beanspruchte die rege Siedlungstätigkeit der Juden immer größere Flächen, so daß seit Beginn der umfangreichen Kolonisationsarbeit im verflösse-

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