Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1930)
- Article
- Über die Wandlungen in der Struktur des Grundbesitzes in Palästina
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
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trachtet, keinesfalls aber als eine Rentenquelle, wie es normalerweise bei den Großgrundbesitzern in der ganzen Welt üblich ist. Nicht das Einkommen, das ihnen der Ertrag der Ländereien bei der Selbstbewirtschaftung oder die Pachtrente im Falle der Verpachtung einbringen würde, lockte sie. Wäre dies der Fall gewesen, so hätten sie ihren Grundbesitz nicht in der Weise vernachlässigt, wie dies in Palästina geschehen ist. Die Einnahmen der Grundbesitzer von ihren Böden waren gering und blieben weit hinter denjenigen zurück, die bei einer ordentlichen Bewirtschaftung und Anwendung rationeller Arbeitsmethoden erzielt werden konnten. Durchwegs „Absentees44, die entweder in den Städten des Landes oder oft auch im Auslande wohnten, zeigten die Eigentümer kein Interesse für die landwirtschaftliche Ausnutzung ihres Besitzes. Wenn es möglich war, verpachteten sie ihre Böden, wenn nicht, ließen sie sie unbearbeitet, wie es nicht selten, besonders in den weniger bevölkerten Teilen Palästinas geschah, wo man Ländereien sogar der freien Benutzung überließ. Der Grund und Boden wurde meist zu spottbilligen Preisen erworben, in der Hoffnung, daß mit dem Fortschritt des Landen eine allgemeine Steigerung der Bodenpreise eintreten müsse, die den Grundbesitzern mühelos ansehnliche Gewinne bringen würde. Selbstverständlich rechneten sie dabei besonders damit, daß das jüdische Kolonisationswerk, welches etwa vor fünfzig Jahren im Lande eingesetzt hatte, diesen Fortschritt fördern und die Bodenpreissteigerung beschleunigen würde. So kann festgestellt werden, daß die Mehrheit der Käufe seitens der Großgrundbesitzer nicht im Hinblick auf die Einnahmen aus den auf den Böden zu gründenden landwirtschaftlichen Betrieben getätigt wurden, sondern in der Erwartung des als Folge der jüdischen Kolonisationsarbeit einzusetzenden Wertzuwachses. So hatten z. B. bereits die Bodenkäufe Sursuks im Jahre 1872 einen spekulativen Charakter. Er hatte in der Ebene Jesreel etwa 230.000 Dunam um den Preis von 20.000 türkischen Pfunden erworben, was etwa acht Piaster pro Dunam ausmacht. Für diese Ländereien hat er bei ihrem Verkauf an die Juden durchschnittlich vier Pfund pro Dunam bekommen und mitunter auch mehr, das heißt das Fünfzigfache des von ihm gezahlten Preises. Derartige Fälle könnte man mehrere anführen. Angelockt durch die ungeheuren Summen, die die schlauen Grundbesitzer, welche zur rechten Zeit Land zu billigen Preisen erworben hatten, einheimsten, kauften die Effendis auch in der Nachkriegszeit bedeutende Areale mit der Absicht auf, sie in dem Augenblick, da sich ein guter Gewinn infolge der Wertsteigerung herausschlagen ließe, an die Juden zu verkaufen. So hat z. B. auch ein Kapitalist aus Ägypten vor einigen Jahren begonnen, bewässerbare Böden in der Gegend von Beisan und Zemach bei den Fellachen auf-