Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1930)
- Article
- Die Wirtschaftslage Palästinas im ersten Quartal 1930
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 165 (sequence 4)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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spräche aller Interessenten stattgefunden hat, zur Ausführung kommen und den Jaffaer Kaufleuten, die längst erwarteten Erleichterungen bieten. Im allgemeinen zeigt sich also trotz der einschneidenden politischen Ereignisse überall eine starke Aktivität. Das kommt am deutlichsten in der überraschend schnellen Absorbierung der neuen Einwanderer des Jahres 1929 zum Ausdruck. Die jüdische Immigration erreichte im Jahre 1929 mit 5249 Einwanderern einen seit drei Jahren nicht mehr erreichten Stand. Auch die Auswanderung von 1746 Personen war um 422 Personen geringer als im Jahre 1928 und um 3324 geringer als im Jahre 1927. Es wurde von der jüdischen Presse wiederholt als besonders bemerkenswert hervorgehoben, daß gerade in den Monaten nach den Unruhen die Auswanderung sank und die Einwanderung sich verstärkte. Ein Beweis für die Aufnahmefähigkeit des Landes ist, daß über Zweidrittel sämtlicher Einwanderer auf Zertifikate, das heißt als Chaluzim, ins Land gekommen sind. Die nichtjüdische Einwanderung betrug im Jahre 1929 317 Personen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkte war trotz dieses dauernden Zuflusses neuer Arbeitskräfte, der bis in die letzte Zeit gleichmäßig andauerte, günstig. Die Zahl der Arbeitslosen ist in den Städten auf ein Minimum gesunken. Etwas ungünstiger liegt der Arbeitsmarkt nur in Haifa, wo durch Arbeiterentlassungen in den Fabriken „Schemen", „Nescher" und der Mazzoth-Fabrik einige hundert Arbeiter frei wurden. In den Kolonien dagegen, die den größten Teil der neuen Einwanderer aufgenommen haben, ist keine fühlbare Arbeitslosigkeit aufgetreten. Die neue Bautätigkeit, die in den landwirtschaftlichen Siedlungen, insbesondere nach den Unruhen einsetzte, hat hier in weitem Maße Arbeitsmöglichkeiten geschaffen. Im ganzen ist der Verlauf der Immigration des Jahres 1929 für die Beurteilung der Aufnahmefähigkeit des Landes außerordentlich lehrreich. An anderen Unternehmungen, die, ohne besonderes Aufsehen in der Öffentlichkeit zu erregen, einen ständigen Fortschritt aufweisen, sind die Arbeiten der Palestine Potash Co. am Toten Meer zu nennen. Dort sind zurzeit bereits mehrere hundert Arbeiter mit der Aufstellung maschineller Anlagen und den Vorbereitungsarbeiten für die Mineralgewinnung beschäftigt. In Gescher, im Jordankraftwerk, zeigt sich der programmäßige Fortschritt darin, daß infolge des beendigten Ausbaues einer ganzen Reihe von Anlagen ein großer Teil von Arbeitern entlassen werden konnte. Mit der Inbetriebnahme des großzügigen Werkes kann noch im Laufe dieses Jahres gerechnet werden. Eine Hauptfrage wird freilich die Lösung des Absatzproblems sein, da mit der Eröffnung des Jordankraftwerkes elektrische Energien weit über den jetzigen Verbrauch im Lande erzeugt werden können. Die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten wird zweifellos in hohem Maße von dem Ergebnis der politischen Verhandlungen in London abhängig sein. Der Bericht der Untersuchungskommission hat, soweit sein Inhalt bereits während der Niederschrift dieser Zeilen bekannt ist, unter der jüdischen Bevölkerung Gefühle großer Enttäuschung hervorgerufen. Nicht weil er etwa die jüdische Unternehmungslust entmutigt, sondern weil er in vielen Schlußfolgerungen als unfundiert und falsch empfunden wird. Es ist heute schwer zu sagen, wie weit die Empfehlungen der Kommission ausgeführt werden und werden können, zumal auch die Stimmung unter den arabischen Kreisen in Palästina alles andere als einheitlich ist. Mögen auch gewisse politische Grundforderungen, wie repräsentative Regierung, noch schärfere Immigrationsregulation usw., als gemeinsame bezeichnet werden, innerhalb der arabi-