Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1930)
- Article
- Die Wirtschaftslage Palästinas im ersten Quartal 1930
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 166 (sequence 5)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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sehen Bevölkerung tritt jedoch allmählich eine nach Berufsständen geschiedene Gruppierung der politischen und wirtschaftspolitischen Interessen auf. Interessant sind in diesem Zusammenhange die Versuche zur Organisation der arabischen ländlichen Bevölkerung, in denen das Schwergewicht auf die Vertretung wirtschaftlicher Forderungen gelegt wird. Es ist zu wünschen, daß die in dieser Richtung gehenden Tendenzen auf beiden Seiten in weitestem Umfange konkrete. Formen annehmen. Jerusalem, Ende März 1930. Die Wirkung des Boykotts. Von Dr. Kurt Grunwald, Tel.-Aviv. Die jüdische Wirtschaft hat ihre Stärke erwiesen. Monatelanger Boykott hat ihr kaum etwas anhaben können. Er hat weit mehr den Arabern Schaden gebracht. Nicht nur der Masse, die von den die Konjunktur ausnützenden Kaufleuten ausgebeutet wurde, sondern den Führern selbst. Obwohl es z. B. nur verhältnismäßig wenige Läden sind, die Juden in Jaffa aufgegeben haben, hat das Verlassen derselben sichtlich das gesamte Stadtbild verändert. Jaffa ist heute eine sterbende Stadt, und Tel-Aviv blüht auf. Sogar Araber kommen zum Einkauf nach Tel-Aviv, da sie dort nicht von Boykottposten belästigt werden. Dazu kommt noch, daß dieses Jahr zum erstenmal größere Orangenverschiffungen (zirka 300.000 Kisten) via Haifa gegangen sind und die Vorzüge dieser Route erwiesen haben, so daß auch diese wichtige Einnahme Jaffas in Frage gestellt ist. Es ist kennzeichnend, daß der arabische Führer Umstakim die Eingemeindung des Teiles von Jaffa bis zur King-Georg-Avenue nach Tel-Aviv anstrebt, um so seinen Realitätenbesitz vor Entwertung zu bewahren. Noch dazu haben die schlechten Orangenpreise all die spekulativ arbeitenden Orangenhändler in die schwerste finanzielle Lage gebracht. Wie es heißt, stehen 20 führende Araber, darunter ein durch seine Aussage vor der Untersuchungskommission unrühmlich bekannter Führer vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Sicherlich haben auch die Juden unter dem Boykott gelitten. Viele Kaufleute haben weniger umgesetzt und vielleicht ihr Warenlager nicht abgesetzt. Auch die Industrie hat in gewissem Maße gelitten. Nach den günstigen Erfahrungen der Vorjahre wurde auf einen viel größeren Absatz als bisher gerechnet und dementsprechend für die Saison vorgearbeitet. Dieser vergrößerte Stock konnte nicht abgesetzt werden, und das führte in einzelnen Fällen zu einem Mangel an Betriebskapital. Doch wurde in diesen, ebenso wie in Fällen, wo Kaufleute durch den Boykott geschädigt wurden, von den Banken in Zusammenarbeit mit dem Emergencyfonds Hilfe auf gesunder Basis geleistet. Der Boykott hat auch sein gutes gehabt, da er in einigen Fällen zwangsweise die Eroberung neuer Märkte beschleunigte. So wurden nach Irak und Persien Textilwaren verkauft, und letzter Tage hat sich eine Delegation der jüdischen Industriellen nach Südafrika eingeschifft, um dort ein Absatzgebiet für ihre Produkte zu erschließen. Für die allgemein normale Wirtschaftslage zeugen auch die Rückzahlungen, Depositen und Sparsummen bei den Banken. Man ist etwas zurückhaltender mit Ausgaben als gewöhnlich, was aber nichts mit „Panik" zu tun hat. Eine derartige