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Palästina · 1930-04-01 · Heft 4-5 (April 1930) · p. Seite 159

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 4-5 (April 1930)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
Date
1930-04-01
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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enthüllt sich natürlich der Gegenseite auch als solches. Unter gewissen Umständen kann auch „friedliche Kolonisation", insbesondere wenn sie allein unter dem Schutz von Bajonetten möglich ist, einen durchaus imperialistischen Charakter tragen; es bedarf dazu keiner Vernichtung oder Austreibung der Eingeborenen, die auch Jabotinskis nachträgliche Aussage vor der Untersuchungskommission, zweifellos ganz ehrlich, abgelehnt hat. Der schwache Punkt unserer heutigen politischen Stellung und die Achillesferse unserer Propaganda, ohne deren Gelingen wir wiederum nicht die für das Aufbauwerk notwendigen Gelder zusammenbringen können, ist unser Unvermögen, auf die Araberfrage eine Antwort zu geben. Deshalb ist es höchst erstaunlich, daß einer der wenigen Zionisten, der eine solche Antwort wenigstens versucht hat, daß J. L. M a g n e s heute im Mittelpunkt einer Hetze steht, die von den Jerusalemer Studenten und Lehrern bis zur höchsten Spitze der Zionistischen Organisation reicht. Statt den Dienst zu würdigen, den Dr. Magnes der zionistischen Sache und dem jüdischen Gewissen erwiesen hat, wird seine Absetzung oder doch seine Mundtotmachung verlangt. Dabei könnte er dem Zionismus keinen größeren Schaden zufügen, als wenn er, was sicher bequemer wäre, ginge oder schwiege: die liberale Weltmeinung, die heute noch eine Spielart des Zionismus vorfindet, mit der sie ohne Verleugnung ihrer Grundsätze sympathisieren kann, hätte mit seinem Ausscheiden jeden Anhaltspunkt verloren. Die politische Bedeutung von Universität und Bibliothek zeigte sich vor kurzem wiederum bei einer besonderen Gelegenheit: bei der Einweihung des „David- Wolffsohn-Hauses", des Neubaues der National-Universitätsbibliothek auf dem Skopusberge; er war die erste große Feierlichkeit nach den Augustunruhen des vorigen Jahres, an der der Oberkommissar teilnahm. Er hatte sogar die Aufgabe, die offizielle Eröffnungsrede zu halten und entledigte sich ihrer mit einem zweifellos wohlberechneten Verzicht auf jede politische Andeutung — ganz im Gegensatz zu seiner ersten Rede am Tage seiner Ankunft in Palästina, in der er auf den Menschenmangel des Landes und die Möglichkeiten neuer Einwanderung hingewiesen hatte. Dieses Negativum ist zweifellos ein bemerkenswertes Symptom für die politische Lage Palästinas. Zu ihm tritt ein zweites: daß von den (nicht sehr zahlreichen) eingeladenen Arabern nur ein einziger, der Redakteur des englischen „Falastin", gekommen war — und der ist ein mohammedanischer Inder! Der Weg ist noch weit. Sir John Chancellors Rede erfolgte gerade an einem Tage, als die palästinensische Presse wieder einmal zu melden wußte, daß er sein Rücktrittsgesuch eingereicht habe, aber vom Kolonialamt zum Bleiben bewogen sei. Ebenso erhält sich dauernd das Gerücht, daß Mr. Luke nicht auf seinen Posten als Zivilsekretär zurückkehren werde. Beide Nachrichten sind hier schwer nachprüfbar. Sollte sich die Demission Lukes bestätigen, was nicht als ganz ausgeschlossen gelten darf, so würde das wohl als ein Erfolg der zionistischen öffentlichen Meinung aufzufassen sein, wenn nicht in bezug auf die Beschlüsse der Regierung, so doch vielleicht in bezug auf die Entschlüsse Lukes. Es handelt sich hier um einen von vornherein zweifellos nicht böswilligen, höchst kultivierten und fein gebildeten Verwaltungsbeamten ersten Ranges, der aber offenbar den Problemen der auswärtigen Politik seiner Verwaltung, um in diesem Bilde zu sprechen, nicht gewachsen war. Man kann seine Stellung während des Ausbruches der Unruhen vielleicht von ungefähr mit der Bethmann-Hollwegs bei Kriegsausbruch vergleichen, nur daß ihn weniger aktive Schuld als jenen und mehr der Vorwurf mangelnder Tatkraft trifft. Allerdings darf gerechterweise nicht

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