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Palästina · 1930-04-01 · Heft 4-5 (April 1930) · p. Seite 158

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 4-5 (April 1930)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
Date
1930-04-01
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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neutralen Beobachter als den natürlichsten ansehen. Es ist doch kein Zufall, daß unsere Presse genötigt ist, beinahe ausnahmslos jeden englischen Beamten, der einige Zeit in Palästina arbeitete, als „Antisemiten" abzutun, und daß beute gegenüber der Mehrheit der Kommission schon wieder das alte Spiel beginnt, oder sie doch wenigstens als „mittelmäßige Engländer46 bezeichnet werden, deren Horizont nicht ausreiche, um unser Werk zu verstehen. Anstatt uns zu überlegen, warum sowohl Highcraft und Luke nach den Pessachunruhen des Jahres 1920 wie jetzt die Shaw-Kommission zu ihren Urteilen gekommen sind, gehen wir in eine sachliche Prüfung ihrer Feststellungen und Argumente erst gar nicht ein, sondern helfen uns mit der alten Haman-Psychologie. Das ist sehr einfach, aber sehr verderblich. Offenbar liegt es doch so, daß die offizielle Blindheit, die wir dem jüdisch-arabischen Problem entgegenbringen, von „durchschnittlichen Engländern" mit sehenden Augen nicht geteilt wird. Sie erblicken die Wirklichkeit, die unser Propagandabedürfnis uns verschleiert, und sehen sie vielleicht deshalb schwärzer und negativ folgenreicher für unser Aufbauwerk, weil niemals eine konstruktive zionistische Politik den gleichen Schwierigkeiten, auf die jeder Neutrale stößt, offen begegnet ist und sich um ihre wirkliche Lösung bemüht hat. Hätten wir selbst erkannt und ausgesprochen, daß die Unruhen der furchtbare, grausame, aber reale Ausdruck einer nationalen arabischen Bewegung waren, deren letzte Quellen in der Angst vor der Majorisierung durch Juden und der Beschränkung des nicht sehr reichlichen, anbaufähigen Bodens zu suchen sind, dann wären die gleichen Feststellungen seitens der Kommission keine zionistische Niederlage, sondern könnten der Beginn einer aktiven zionistischen Araberpolitik sein. Wenn wir uns nicht stets, auch und gerade zu günstig aussehenden Zeiten, um die Vorlage eines positiven Verfassungsplanes gedrückt hätten, würde uns die Feststellung der Kommission, daß sein Fehlen die Araber beunruhige, nicht treffen können. Wenn wir in unseren kolonisatorischen Maßnahmen von vornherein bei der Ansiedlung der Juden das Interesse des gesamten Landes, vor allem seiner elendesten Schicht, der Fellachen, planmäßig ins Auge gefaßt hätten, dann würde der Ruf der Kommission nach neuen, intensiveren landwirtschaftlichen Methoden sich nicht gegen uns kehren, sondern eine Anerkennung des zionistischen Werkes bedeuten, das ja diese Methoden zum Teil bereits verwirklicht hat. Die augenblickliche (nicht die endgültige) Wirkung des Berichtes wird zurzeit etwas ausgeglichen durch die Erklärung Mac Donalds und ihre Unterstützung seitens der liberalen und konservativen Parteiführer sowie durch die in London gelungene neue Einigung innerhalb der Jewish Agency. Die arabische Presse er wägt heute schon immer stärker den Gedanken, die Delegation wieder aus London zurückzurufen, was beinahe — nicht ganz! — einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen gleichkommt und zweifellos die Erbitterung im Lande wieder neu entfachen würde. Es müßte als ein Unglück gelten, wenn die Araber von London abreisten, ohne sich mit den Juden an einen Tisch gesetzt und wenigstens den Versuch einer direkten Verständigung gemacht zu haben. Weizmanns Sprache in London war allerdings dazu nicht sehr ermunternd. Noch schwerer wiegt aber ein anderes: die Wertverschiebung, die in der Tagesordnung der Londoner Konferenzen dadurch eingetreten ist, daß mit ganz deutlicher Tendenz die Fragen der Wirtschaft und der Kolonisation dem politischen Problem vor- und übergeordnet wurden. Diese Rangordnung ist selbst ein Politikum allerersten Ranges, und zwar ein aggressives. Erhöhte Fortsetzung unserer Kolonisationsarbeit ohne gleichzeitige Verständigung mit den Arabern ist ein Mittel in unserem politischen Kampfe und

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