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Palästina · 1930-04-01 · Heft 4-5 (April 1930) · p. Seite 147

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 4-5 (April 1930)
Article
Aus den Anfängen von Chederah
Date
1930-04-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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Morgen werde ich Euch auf den richtigen "Weg bringen." — „Das ist der Anfang", ging's mir wie ein Blitz durch den Kopf. Woher kam mir plötzlich die Kraft? Fieber und Hitze waren wie verschwunden. Auch ich sprang aus dem Wagen, näherte mich dem Araber und erfaßte ihn mit meiner Hand — einer Hand mit Muskeln aus Eisen: „Auf! Weiter! Hier werden wir nicht übernachten!" Wer weiß, ob meine Stimme auf ihn wirkte oder mein Gesicht, das Gesicht eines Kranken, oder ob ihm ein neuer Gedanke kam. Er steht auf, setzt sich mit mir auf den Wagen und lenkt wieder die Pferde in den Wadi, schimpft kräftig auf sie und schlägt sie mit der Peitsche. Die Pferde laufen in den Wadi hinunter, versinken bis zum Bauch im Wasser und steigen wohlbehalten wieder hinaus — wir sind drüben. Der Wagen steht auf festerem Boden. Plötzlich hält der Araber an, geht zu den Pferden. Er blickt durch die Finsternis, hierhin, dorthin, und stößt einen leichten Pfiff aus. Von gegenüber antwortete ein anderer Pfiff. Wie dem Inneren der Erde entstiegen, tauchten vor uns die zwei Araber mit den Säbeln auf. „Hier finden wir unser Ende", dachte ich bei mir. Ringsum alles öde. Keine jüdische Siedlung stundenweit. Wen zu Hilfe rufen? Die drei Araber begannen sich zu streiten. Ich verstand nicht das Geringste von dem, was sie sagten, aber nach dem Stimmklang war mir klar, daß sie sich über die Teilung der Beute nicht einig waren. Schließlich siegte die Meinung des einen von ihnen. Er hieb mit der Peitsche, und der Wagen rührte sich wieder. Als einige Minuten vergangen waren, tauchte vor uns die Prunkvilla des Selim Kuri, umgeben von einem Maulbeerhain, auf. Wir wußten, daß hier ein Wächter unserer Kolonie Dienst tue. Mein Bruder und ich kamen überein, ihn zu rufen. Und als der Wagen vor das Tor fuhr, ergriff mein Bruder die Zügel und ich schrie aus Leibeskräften „Chassan, Chassan". Der Araber geriet in Hitze und wollte die Zügel meinem Bruder aus der Hand nehmen. Aber zu unserem Heil traf in diesem Augenblick der Wächter beim Tor ein, erkannte uns, ergriff die Pferde, und als er unseren Begleiter sah, schrie er in entschiedenem Ton: „Nein, nein, ich werde Euch nicht von da weglassen. Das sind meine Gäste und mit mir werden sie übernachten." Diese Worte Chassans machten Eindruck, und unser Begleiter sprang sofort vom Wagen und verschwand in der Dunkelheit. Als wir in den Hof kamen, flüsterte uns der Wächter ins Ohr, daß dieser unser Begleiter einer der bekanntesten Räuber der Umgebung sei und wir nur einen Schritt weit vom Tod entfernt gewesen waren. Dieses aufregende Erlebnis heilte mich, und ich kam als Gesunder nach Hause. Dagegen erkrankte meine Schwester neuerdings. Es kam der Winter, draußen Sturm und Wirbelwind, dann Regengüsse — der Frühregen. Er fand uns in unserer Laubhütte sitzend. Denn die uns gemachten Versprechungen waren nicht erfüllt worden, man ließ uns keine Häuser bauen. Wir saßen also in einer Laubhütte. Den ganzen Tag, bevor der Regen kam, arbeiteten wir, doch genügte die Zeit nicht, unsere Erdnüsse und Baumstämme in die Farm zu bringen, und wir blieben zum Übernachten in der Hütte, in der Hoffnung, daß es in der Nacht nicht regnen würde; auch unsere kranke Schwester war mit uns. Plötzlich fiel der Regen nieder, unsere Hütte hatte kein Dach. Wir standen alle da, zitternd vor Kälte und naß vom Regen. Über dem Bett unserer kranken Schwester befestigten wir Bretter und bedeckten diese mit Matten, damit das Wasser nicht durchdringe. Die Kranke drehte sich von Seite zu Seite, von fortwährenden Schauern geschüttelt... Wenn die Stimme unserer Schwester hörbar war, beruhigten wir uns, doch wenn die Seufzer aufhörten, blickten wir mit Sorge unter die Matte und hörten auf ihren Atem. Draußen heult der Wind. Ich bewache das Holz und die Pferde. Die Reihe ist an mir. Die Flinte auf der Schulter, den Totschläger in der Hand. Die Finsternis ist

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