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Palästina · 1930-04-01 · Heft 4-5 (April 1930) · p. Seite 146

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 4-5 (April 1930)
Article
Aus den Anfängen von Chederah
Date
1930-04-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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— Der Verfasser, jetzt in Rechoboth, selbst ein Pionier von Chederah, ist heute der erste jüdische Fachmann des Pflanzungswesens in Palästina. Er ist aber auch Schriftsteller von großer Begabung. Wir bringen nachstehend einige (verkürzte) Stellen aus dem Büchlein, die soweit es eine Übersetzung vermag, die kraftvolle und farbige Schreibweise des Autors zeigen. ... Die schwere Hand des Fiebers verschonte kein Zelt, auch das unsere nicht. Der Reihe nach erkrankten meine Brüder und meine Schwester. Das Fieber blieb viele Wochen auf Besuch. Ich widerstand ihm lange. Die vielen Reisen und der Luftwechsel hielten mich aufrecht. Aber schließlich mußte auch ich mich niederlegen. Manchmal bei Nacht erwachte ich, es erfaßte mich ein Schwindel und alle meine Glieder wurden schwer. Dann hatte ich Fieberschauer, mein ganzer Körper zitterte, die Zähne klapperten . .. und nach einer Kältewelle überflutete mich eine Hitzwelle, die von den Zehen bis zum Kopf aufstieg. Fieber? Ich streckte mich der ganzen Länge nach aus und redete mir zu, stark zu sein und das schwere Gefühl, das mich überfiel, zu vertreiben. Allein meine Hände und Füße waren wie gebrochen und abgehauen, nichts heil an ihnen. Und wieder überfiel mich ein Fieberschauer, stärker als der erste, und krampfte den ganzen Körper zusammen. Noch zitterte ich vor Kälte und schon wieder verschlang mich eine Hitzwelle. Und auf meinem Kopf klopfte etwas wie mit einem Hammer ohne Unterlaß, ich fühlte, wie mein Gesicht glühte, als ob die Augen sich vergrößerten, die Zunge am Gaumen kleben würde, vertrocknet und ganz versengt.. . es wurde mir brecherlich zumute. Eine Minute lang schien es mir, als ob ich auf einem Schiffe liege und es mich unbarmherzig umherwerfen würde. Kälte und Hitze ergosssen sich abwechselnd über mich, und wenn sie mich beide überfielen, wußte ich nicht, welche schwerer zu ertragen sei. Der Feldscher riet, mich nach Sichron Jakob1) zum Facharzt zu bringen. Des Abends legte man mich auf unseren Wagen, der zum Düngerführen gehörte, und einer meiner Brüder sollte mich nach Sichron bringen. Als wir uns dem Wadi (ein tiefeingeschnittenes Flußtal) näherten, welcher auf dem Wege nach dem sogenannten „Tscherkessenwald" liegt, und wir hinunterfuhren zum Tal der „Burg", ging die Sonne unter. Die kleine Holzbrücke über den Fluß fanden wir gebrochen und den Wadi tief. Rechts war Sumpf und links Meeressand, der Platz ringsum leer und öde, keine Menschenseele zu sehen! Was tun? Zurückkehren? Plötzlich waren, wie aus dem Boden gestiegen, drei Araber da, gekleidet wie Fellachen, aber am Kopf eine runde „Keffije" nach der Art der Beduinen und diese bedeckte den Mund und fiel auf die Stirn — kein gutes Zeichen. Die drei waren bewaffnet einer hatte eine Flinte, die anderen zwei trugen Säbel. Der Flintenträger kam zu uns und schlug uns vor, uns auf einen anderen Weg zu bringen, wo man den Wadi überschreiten könne. Die Sache war uns verdächtig, aber was tun? Die Dämmerung sank herab und unser Leben war so oder so in ihren Händen. Wir stimmten also zu. Er setzte sich auf den Wagen, ergriff die Zügel und lenkte die Pferde nach links über den Sand. Es vergingen viele Minuten und dann waren wir mitten in den Sanddünen. Der Weg war schwer, und unsere starken Pferde strengten sich sehr an. Der Araber sprang aus dem Wagen und saß auf dem Sand: „Hier werden wir übernachten. In der Dunkelheit werde ich den Weg nicht finden. *•) Diese Kolonie Sichron Jakob (Andenken Jakobs, des Vaters Edraonds de Rothschild), früher Sammarin, war schon 1882 gegründet worden, nördlich von Chederah, damalige Entfernung zirka 8 bis 10 km. Seither ist um beide Siedlungen ein Kranz von neuen jüdischen Niederlassungen aufgeblüht, und die Annäherung beträgt an den äußersten Punkten nur mehr 1 bis 2 km. Anm. d. Übers.

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