Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1930)
- Article
- Der Einfluss der jüdischen Aufbauarbeit auf die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas und seiner Bewohner
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
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über eine Summe zwischen 5 und 10 Millionen Pfund hinausging — das war der ökonomische Aspekt, auf welchem die jüdische Nachkriegskolonisation aufgebaut wurde. Diese Kolonisation hat jenen ökonomischen Aspekt in dreifacher Hinsicht so revolutionär umgestaltet, daß es schwer fällt, ein Vergleichsbeispiel in der Geschichte zu finden: Erstens : Sie hat eine Einwanderung von zirka 80.000 Personen oder nur zirka 12% des Bevölkerungsstandes von 1920 verbunden mit einem Kapitalimport von zirka 44 Millionen Pfund, das heißt fünf- bis achthundert Prozent von dem, was an Gesamtkapital im Lande vorhanden war2). Diese Relation wirkte sich noch um so gewaltiger aus, als das importierte Kapital größtenteils liquides Geldkapital war, während von dem im Lande befindlichen Kapital nur ein kleiner Bruchteil als Geldkapital oder überhaupt als bewegliches Kapital angesehen werden konnte. Zweitens : Sie hat der Regierung zu solchen Einnahmen verholfen, daß die Akkumulierung eines beträchtlichen öffentlichen Vermögens ermöglicht wurde, überdies unter Rückzahlung sämtlicher Vorkriegsschulden des Staates. Drittens: Sie hat das Bodenkapital, welches den überwiegenden Teil des Nationalvermögens darstellte, aber aus Mangel an Kaufinteressenten illiquide war, durch genügende Zufuhr solcher Käufer liquide, jederzeit verwertbar gemacht. Außerdem hat es seinen Wert durch gesteigerte Nachfrage und rationellere Ausnutzungsmethoden vervielfacht. Jüdische Bodenkäufe erfolgen seit Jahren zu keinem niedrigeren Durchschnittspreise als 3 bis 5 £ pro Dunam. In der Nähe bestehender Siedlungen sind die Preise erheblich höher und erreichen bereits das Nieveau von 20 £ pro Dunam für landwirtschaftlichen Boden. Im gleichen Verhältnis, in welchem sich die Siedlungen ausdehnen oder auf neue Gegenden erstrecken, passen sich die Preisforderungen diesem Niveau an. Die 11 Millionen Dunam kultivierter oder kultivierbarer Böden, die sich im Besitze der Nichtjuden befinden, repräsentieren demnach einen Kapitalwert von mindestens 33 Millionen Pfund, dessen Steigerung auf 44, 55 Millionen und so fort von nichts anderem abhängt als von dem Tempo und der Ausdehnung der jüdischen Kolonisation. Da an der Bereitwilligkeit und Finanzkraft der zionistischen Bewegung nicht zu zweifeln ist, haben die Araber und die Regierung es völlig in der Hand, 2) Die Schätzung von 44 Millionen Pfund, die Mr. Hoofien vor der Untersuchungskommission angab, wird in der eben erschienenen Broschüre „Immigration and Prosperity" näher belegt.