Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1930-03-01 · Heft 3 (März 1930) · p. Seite 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 3 (März 1930)
Article
Die Wirkung der jüdischen Kolonisation in Palästina auf die Araber
Date
1930-03-01
Page
Seite 84 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2379786-2379883-2379886-2390885--10274-2391071
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

IL Aber — so wird man uns fragen — was ist aus den arabischen Landwirten geworden, die früher auf den jetzt von Juden besiedelten Böden gewohnt haben? Die Juden haben ihre Pflicht den arabischen Pächtern gegenüber voll und ganz getan. Alle diesbezüglichen Forderungen der palästinensischen Regierung wurden, manchmal sogar noch in viel größerem Maße, als es das Gesetz verlangt, erfüllt. Den Pächtern, die es wünschten, wurden hohe Entschädigungen gezahlt, und im übrigen ließ man denen, welche bleiben wollten, eine für ihren Lebensunterhalt ausreichende Fläche. Es ist interessant festzustellen, daß eine Anzahl von denen, die Boden erhielten, später eine Geldentschädigung vorgezogen hat. Diese von den Juden gezahlten Entschädigungen erreichen recht beträchtliche Summen. Die Mehrzahl der Pächter, die den heute von Juden bearbeiteten Boden innehatten, sind weiter in der Landwirtschaft geblieben und leben in den den jüdischen Kolonien benachbarten Dörfern. Das Geld, welches sie erhalten haben, diente ihnen zur Fundierung ihrer Wirtschaften. Nur 10% dieser Bauern haben die Landwirtschaft aufgegeben und städtische Berufe ergriffen, sind Chauffeure, Krämer usw. geworden. Interessant ist es auch, daß fast keine dieser Leute ausgewandert sind, wie aus dem Bericht an die 6. Session der Permanenten Mandatskommission beim Völkerbund, die im Jahre 1926 tagte, hervorgeht. Im Laufe dieser Sitzung interpellierte man den damaligen Chefsekretär der paiestinensischen Regierung Colonel Symes, um zu erfahren, ob die Araber nach dem Verkauf ihrer Böden an die Juden gezwungen waren, nach Transjordanien oder Syrien auszuwandern, um sich dort niederzulassen. Colonel Symes erwiderte: „Es stimmt, daß einige Araber das Land verlassen haben, um anderswo Boden zu kaufen, aber diese Bewegung ist noch weniger als unbedeutend.44 Indessen muß auch in Rechnung gestellt werden, daß die von den Juden erworbenen Bodenstrecken nicht alle vorher bearbeitetes Land waren. Ungefähr die Hälfte waren vollkommene Wüste. Nur 55% der fruchtbaren Gegend des Emek Israel und des Akkotales waren vor dem Erwerb durch die Juden kultiviert, und das auf die primitivste Weise. Der größte Teil dieser Flächen war derart verödet, daß es fast unmöglich war, irgendwelchen Nutzen aus ihm zu ziehen. Die Juden haben hier im Reiche der wilden Natur eine wahre Eroberung gemacht. Früher war der Emek ein Krankheitsherd für alle seine Bewohner; der Nuris- und Nahalalkomplex waren mit Dornen und Unkraut bedeckt. Nur vorhandene Ruinen waren ein Beweis, daß dort einst arabische Siedlungen waren, die jedoch infolge der Malariakrankheit von den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.