Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 3 (März 1930)
- Article
- Eine jüdische Kinderrepublik in Palästina
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
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verarbeitet werden kann, das einem vorhandenen Interesse im Kinde entgegenkommt. In Ben Schemen geht deshalb der Unterricht vom lebendigen Erleben des Kindes aus. Für ein Kind z. B.„ das im Gemüsegarten arbeitet, dort seine Entdeckungen und Experimente macht, entstehen die Fragen, wie es im Innern einer Pflanze aussieht, was ein Morgen Land ist, wie man ihn mißt, wie teuer man das Gemüse verkaufen muß, wieviel ein Arbeitstag kostet usw. aus der Arbeit selbst. Alle diese Probleme aus dem Gebiet der Naturwissenschaften, der Mathematik, der Geometrie, der Volkswirtschaft sind ihm nicht Teilgebiete, sondern ein Ganzes; sie sind aus der Arbeit selbst hervorgegangen und werden nachher nur systematisiert. Der Unterricht in Bibel, Literatur usw. fordert naturgemäß einen anderen, nicht weniger von dem üblichen Schulunterricht abA^eichenden Weg. Er ist ganz aus dem Unterricht herausgenommen, und es wird versucht, auch ihn mit dem Leben zu verbinden. Am Ende des Tages, wenn man von der Arbeit im Freien nach Hause kommt, setzt man sich um den gemeinsamen Tisch und dann wird vorgelesen und erzählt. Der Freitagabend und Sonnabendnachmittag gehören speziell dem jüdischen Schrifttum. So bemüht man sich, den Kindern die Freude an der Schönheit einer Dichtung oder eines Mythos nicht dadurch zu verderben, daß man sie zum Unterrichtsgegenstand in der Schule macht. Die eigentlichen Erzieher im Jugenddorf, und das wird jeder, der mit Kinderpsychologie vertraut ist, leicht einsehen, sind nicht sowohl die Erzieher als die älteren Jugendlichen. In ihnen suchen die Kleinen ihre Vorbilder, denen sie nachahmen, denen sie gleich werden wollen. Aber auch jeder andere Erwachsene auch ohne Lehrerdiplom ist unwillkürlicher Erzieher, eine Tatsache, der bei der Auswahl aller im Jugenddorf als Handwerksmeister usw. arbeitenden Erwachsenen mit Sorgfalt Rechnung getragen wird. Diese Jugendlichen, das sind Jungen und Mädchen von 15 bis 18 Jahren, leben in Gemeinschaften von 25 bis 40 zusammen, sie haben ihr eigenes Haus, eigene Werkstätten, eigene Küche, Gemüsegärten, Hühnerstall usw. Diese kleine Wirtschaft wird in der Freizeit der Gruppe versorgt, während die eigentliche Arbeitszeit der großen Landwirtschaft des Kinderdorfes gehört. Bei dem Aufbau dieser Gruppen sind Erzieher und Jugendliche von dem Grundsatze ausgegangen, daß nur dann jedem einzelnen Gelegenheit geboten wird, sein Bestes zu geben, wenn das gemeinschaftliche Leben alle Lebensbezirke umfaßt. Hierin unterscheidet sich Ben Schemen von vielen Jugendgruppen, z. B. der deutschen Jugendbewegung, die, wenn keine Lebenswirklichkeit zwischen ihnen besteht, auf rein intellektuelle Betätigung, wie Lesen, Diskutieren usw.,