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Palästina · 1930-03-01 · Heft 3 (März 1930) · p. Seite 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 3 (März 1930)
Article
Eine jüdische Kinderrepublik in Palästina
Date
1930-03-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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bewegung kommt, eine ganz besondere Aufgabe in Palästina zufiele. Palästina hat in einer verhältnismäßig kurzen Zeit das Wunder vollbracht, einen jüdischen Typus zu schaffen, der mit der Erde sich verbunden fühlt, der Feld und Acker und Hof als seinen Lebenszweck empfindet und ihn bestellt. Das Feld hat sich der Jude zurückerobert, aber nicht das Haus. Von einer Hauskultur in Palästina kann man noch kaum sprechen. Den Bemühungen, in Ben Scheinen eine Erziehungsstätte im Geiste einer solchen Hauskultur zu schaffen, stehen außerordentliche Schwierigkeiten entgegen. Vor allem herrscht ein Mangel an Frauen, die als Lehrerinnen für Hauswirtschaft oder als ausgebildete Kinderheimleite rinnen diesen Geist vermitteln können. Der Frauentypus, der im besten Sinne des Wortes hauswirtschaftlich veranlagt ist, scheint zu bodenständig, um auszuwandern. Trotz aller Schwierigkeiten, die vermehrt werden durch die große Primitivität der Verhältnisse, ist in Ben Schemen doch schon manches erreicht worden. Besonders im Anfang hatte man mit dem starken Widerstand der Kinder gegen haus Wirtschaft liehe Arbeit zu kämpfen, und der Ausspruch eines Zwölfjährigen aus einem Protokoll der Schulgemeinde ist bezeichnend hierfür. Auf eine Aufforderung, sich freiwillig zu derartigen Arbeiten zu melden, sagte er: „Wer wird so meschugge sein und freiwillig in die Hauswirtschaft eintreten?'; Wichtige Faktoren im Leben der Kindergemeinschaft sind Musik und Theater. So gab es im letzten Winter kaum eine Woche, wo nicht eine Kindergruppe zu einer Aufführung einlud. In der ersten Zeit wurde den Kindern, die meist im Alter von neun bis zehn Jahren waren, hierbei vollkommene Freiheit gelassen, um sie zur Produktion zu ermutigen, die zum Teil ganz originell war. Wie im Zeichnen und Malen ist dieses Alter gerade auch auf diesem Gebiet das Produktivste. Es ist schon begabt mit der gestaltenden Kraft des reifen Kindes und noch nicht durch dessen Selbstkritik beunruhigt. Im kommenden Winter soll versucht werden, den Spieltrieb in richtige Bahnen zu lenken. Die Schule in Ben Schemen, deren Aufbau das letzte Jahr vorzugsweise gewidmet war, dürfte am ehesten mit der deutschen Gemeinschafts- und Produktionsschule zu vergleichen sein. Sie will jedem Kinde, gleichviel welcher Begabungsart, durch produktive, geistesfördernde Arbeit zu voller Entwicklung seiner Persönlichkeit verhelfen. Sie erstrebt gleichzeitig durch den Fortschritt der Persönlichkeit den der Gesellschaft. Um diesen Weg gehen zu können, mußte mit dem bisherigen Schulsystem radikal gebrochen werden. Den Ausgangspunkt des Unterrichtes bildete die Erkenntnis, daß nur das wirklich aufgenommen und

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