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Palästina · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 56

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
Date
1930-01-01
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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den zu haben scheint: die im Augenblick allein noch übriggebliebene Opposition geht von ganz radikalen Elementen aus, denen selbst der Mufti noch zu gemäßigt ist und die sogar mit dem Gedanken der Gründung einer eigenen radikalen Partei spielen. Große reale Bedeutung dürfte ihnen kaum zukommen, jedenfalls keine größere als der gemäßigten Opposition, die sich um die Bürgermeister von Akko und Haifa konzentrierte, vorläufig aber noch nicht wieder aktiv geworden ist. Einen weiteren organisatorischen Fortschritt bedeutet für die Araber die Einberufung der ersten arabischen Arbeiterkonferenz, die vor einigen Wochen in Haifa stattfand. Die jüdische Presse verhielt sich mit zurückhaltendem Wohlwollen und sprach schon vorher die Befürchtung aus, daß diese Tagung mehr im Dienste der nationalen Propaganda als in dem der sozialen Befreiung stehen werde. So war es selbstverständlich auch, was aber bei der so vorwiegend nationalen Einstellung unserer eigenen Arbeiterschaft ja gar nicht wundernehmen kann. Immerhin ist es bezeichnend genug, daß den jüdischen Journalisten der Eintritt untersagt wurde und daß ein Arbeitervertreter, übrigens der einzige, der eine ordnungsgemäße Wahl nachweisen konnte, wegen angeblicher Verbindungen mit den linken Poale-Zionisten als „Judenknecht" ausgeschlossen und sogar als „Kommunist" der Polizei übergeben wurde, obwohl die Konferenz erklärt hatte, sich nur mit wirtschaftlichen und nicht mit politischen Fragen beschäftigen zu wollen. (Immerhin glaubte eine arabische Fabrik in Haifa, Maßnahmen gegen die Konferenzteilnehmer unter ihren Arbeitern ergreifen zu müssen.) Hoffentlich wird dieser Verlauf der Konferenz denjenigen unter den jüdischen Arbeiterführern eine Lehre sein, die noch immer glauben, man könne die politische Verständigung mit dem arabischen Volke bis zu dessen sozialen Erwachen vertagen, oder doch: man könne durch soziale Hilfsmaßnahmen, die als Begleitung und Unterstützung einer vernünftigen politischen Politik wünschenswert und notwendig sind, diese Politik selbst überflüssig machen. Trotz all diesen Gegensätzlichkeiten darf gesagt sein, daß sowohl die persönlichen wie auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Juden und Arabern sich wieder erheblich gebessert haben. Man kann heute wieder ohne jede Furcht allein und unbewaffnet durch eine rein arabische Stadt, wie etwa Jericho, gehen, ohne Unannehmlichkeiten befürchten zu müssen oder auch nur das Gefühl feindseliger Stimmung zu haben. Auch der Boykott hat ersichtlich nachgelassen und wird nun auch von der Regierung tatkräftig bekämpft. Inwieweit er der jüdischen Wirtschaft im Lande dauernden Wunden geschlagen hat, ist noch schwer zu überblicken: erfreuliche Symptome sind das Aufblühen der Orangenwirtschaften und des hebräischen Verlagsbuchhandels, während die Tatsache, daß die Stadt Tel-Aviv gerade in diesem Krisenjahr zum erstenmal mit einem, vorläufig allerdings noch bescheidenen Überschuß von 1000 £ abschließt, auf der Aufsaugung eines großen Teils des jüdischen Jischuw von Jaffa beruht, also eine direkte, wenn auch nur zum Teil positiv zu bewertende Folge des Boykotts ist. Die Vereinigung der Arbeiterparteien. Das erste größere, rein innerjüdische Ergebnis, das zum ersten Male wieder seit den Unruhen die Aufmerksamkeit des ganzen Landes auf sich vereinigte, war die feierliche, formelle Vereinigung der beiden Arbeiterparteien „Achduth Haawodah" und „Hapoel Hazair", über deren Vorbedingungen, Aussichten und Gefahren wir schon früher an dieser Stelle gesprochen haben. Hier sei deshalb nur der außerordentliche Gefühlsaufschwung konstatiert, den die von vielen Tausenden besuchten Vereinigungstage der jüdischen Arbeiterschaft und ihren Freunden gegeben haben und der auch ein politisches Faktum ist. Die Gefahr einer wirtschaftlich reaktionären Entwicklung Palästinas war in den letzten Jahren

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