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Palästina · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Die Wirtschaft des Fellachen
Date
1930-01-01
Page
Seite 42 (sequence 3)
Language
German
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falles mit dem Tier oder seines zu hohen Alters verliert der Fellache nicht viel, da der Preis des Fleisches fast dem des Zugtieres gleich ist. Die Fütterung kostet nichts. Während des größeren Teiles des Jahres grasen die Ochsen auf dem Felde. So hahen sogar Unkräuter einen Wert für die Farm, oh sie nun im Felde belassen oder gejätet werden. Im Winter während der Regenzeit futtern die Ochsen weichere Gräser und im Sommer Reste der Halme der Körnerfrucht. Wenn das Feld am Beginn des Sprossens zu dicht bewachsen ist, schickt der Fellache sein Vieh darauf, um es zu lichten, und das ist für Pflanze und Tier gut. Das Unkraut, welches im Winter ausgejätet wird, dient als Futter für das Vieh, und so werden zwei Fliegen auf einen Schlag getroffen: das Feld ist gereinigt und da« Vieh genährt. Während zirka acht Monaten weiden die Tiere im Freien und zirka zwei Monate lang gibt der Fellache etwas Häcksel als Zukost. Bloß zwei Monate füttert er sie vollkommen im Hof, und zwar wie folgt: Eine Krippe voll Häcksel mit einer Handvoll Kraftfutter („alif"), dreimal täglich zwei Rottel Sesamkuchen oder Bohnen. Den Fellachen zufolge werden zwei Kantar Sesamkuchen oder Bohnen und Kamelienkörner (Karsena) für einen „Sichah" pro Jahr benötigt. Außer Sesamkuchen sind das alles Produkte, seiner eigenen Wirtschaft. Der Fellache hält ein Kamel aus folgenden Gründen: 1. Von seinen Ernteerträgen allein kann er nicht leben, und mit dem Kamel als Lastcntransportmittel verdient er auswärts; 2. Transporte können vom Kamel selbst, vom' Ochsen nur mit einem Wagen bewerkstelligt werden. Das Kamelfutl^r kostet nicht mehr als das des Ochsen. Das Kamel sucht sich sein Futter zur Hauptsache im Freien; rauhe Gräser, welche jede.-; andere Tier verabscheuen würde, sind für den Gaumen des Kamels eine Delikatesse. Der Kaktus, der rund um das Dorf wächst, dient einem doppelten Zweck, er ist ein lebender Zaun für das Dorf und liefert Nahrung für Menschen und Kamele, für die ersteren die Früchte, für die Tiere die stacheligen Blätter. Zu dieser kostenlosen Nahrung fügt sein Herr noch Häcksel, Bohnen und etwas Karsena oder Jilbana bei. Nutzvieh. Nicht jeder Fellache hat eine eigene Milchkuh. Aber wenn er eine hat, kostet sie ihm schwerlich etwas. Sie ist auch ein Produkt der eigenen Wirtschaft, lebt ebenfalls von Hausabfällen, von Grashalmen, die zwischen Felsen wachsen, und von Kräutern^ die nicht der Sichel, wohl aber dem Maul des Tieres erreichbar sind. So ist es auch mit dem Geflügel, für welches kein eigenes Futter bereitgestellt wird. Es wühlt in den Düngerhaufen und lebt von den Abfällen und den darauf wimmelnden Würmern. Trotzdem sind die Hühner gute Eierleger, in manchen Fällen kommen sie Rassehühnern gleich und haben vor ihnen den Vorteil, gegen viele Krankheiten immun zu sein. Werkzeuge. Diese sind gering an Zahl und leicht an Gewicht. Der Fellache trägt seinen Pflug auf der Schulter, wenn er von der Arbeit geht, und ein junger Bub beaufsichtigt das Dreschbrett und das daran gespannte Maultier. Alle diese Werkzeuge werden zu Hause gemacht, aus Holz, das man am Ort selbst hat (meist von Ziziphus, Spina Christi), bloß die Pflugschar ist aus Eisen. Dieser Pflug kann nicht übertroffen werden in bezug auf Einfachheit, Leichtigkeit und Anpassung an das Klima, die Bedingungen der Arbeit und den angestrebten Zweck. Er erfüllt, ohne daß eine besondere Anstrengung nötig wäre, die Funktionen eines Pfluges, einer Walze und einer Egge. Er wirft keine Schollen auf, sondern lockert bloß die Erde, er wendet sie nicht um,

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