Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Die Wirtschaft des Fellachen
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 2)
- Language
- German
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schnell arbeitendes Vieh nützen, wenn die Arbeit auch mit leiehten Werkzeugen getan werden kann, die er um ein paar Pfund kauft, die für sein ganzes Leben reichen und die er manchmal noch seinem Sohn hinterläßt. Äußeres Ansehen und Bauart des Dorfes. Das ganze FeUachendorf erscheint so, als oh es aus dem Boden, auf dem es steht, herausgewachsen wäre. Es ist tatsächlich aus diesem Boden geformt. Staub von seinem Staub, Stein von seinem Stein. Das arabische Dorf ist ein Wesen, das seine Farbe von seiner Umgebung annimmt. In der Ebene wird es aus Lehm gebaut, wobei der ganze Bau nicht einen Groschen kostet. Die Baustoffe sind gebildet aus dem Staub des Bodens, aus Stroh und Viehdiinger. Diese Rohmaterialien werden von den Frauen verarbeitet. Sie sammeln Stoppeln, machen Stroh, kneten Mörtel und vermischen ihn mit Kuhdünger, der, in der Sonne getrocknet, ihnen in den Händen zerbröckelt, und formen so Ziegel. Auf den Abhängen der Berge werden die Häuser ans den dort befindlichen Steinen gebaut, welche die Familienmitglieder des Fellachen sammeln und sie zu Mauern aufschichten, und bloß die Vollendung des Baues obliegt dem Dorfmaurer. Der Fellache kauft für den Bau von auswärts nur Ecksteine und Holz für Dach und Tor. Die Dächer werden bedeckt mit langen Stengeln von Gras, auf die Erde gestreut wird. Bloß in Dörfern nahe der Stadt, welche durch die Zivilisation „verdorben" sind, hat man in letzter Zeit begonnen, die Dächer mit importierten Ziegeln zu decken. Bauten. In der Ebene Schefelah ist das ganze Dorf von einem Lehmwall umgeben. Nach heutigem Maßstab gewähren diese Mauern keinen Schutz, und es ist kein Wunder, daß jene von Jericho beim Blasen der Posaunen umstürzten. Jedoch genügen sie für die Bedürfnisse der Fellachen. Haus stoßt an Haus und jeder Hof ist in der Schefelah und im Süden von einein Lehmwall umgeben, in den Bergen von einer Mauer aus mittelgroßen Steinen. In jedem Hof steht ein Haus. Der arme Mann hat ein Zimmer, welches gleichzeitig als Stall und Vorratskammer dient. Das Haus des wohlhabenden Fellachen hat mehrere Zimmer, eines für die Menschen und Tiere, eines für Besuche und eines als Vorratskammer. Außer dem Haupthaus im Hof gibt es auch einen kleineren Bau für den Backofen (Tabbun). Oft leben zwei Familien in einem Hof. Die niedrigen, konischen Strohschober, gedeckt mit Stroh, Mörtel und Lehm, liegen außerhalb des Hofes an den Dreschplätzen. Die Baukosten eines Hauses sind für einen gewöhnlichen Fellachen die folgenden: In der Berggegend Steine 3 bis 4 £, Holz für Dach und Tor 2 £, Maurerlohn 5 bis 6f. zusammen 10 bis 12 £. In der Schefelah: Stroh 1 bis 5 £, Holz 2 £, insgesamt 3 bis 3,5 £. Arbeitstiere. Die Bodenfläche von 120 bis 150 Dunarn bearbeitet der Fellache mit drei Ochsen oder mit einem Pferd und einem Kamel — „Sicha14 in seiner eigenen Sprache. Er gibt den Ochsen den Vorzug ans folgenden Gründen: 1. Sie sind billiger zu erhalten als jedes andere Zugtier; 2. der Arbeitstag mit ihm ist länger, da sie keine Mittagsrast brauchen. Es ist üblich, mit drei Ochsen aufs Feld zu gehen und mit zwei zu arbeiten, wobei alle zwei Stunden einer ausgewechselt wird, so daß von der Morgen- bis zur Abenddämmerung ununterbrochen gearbeitet wird; 3. manche Arbeiten, wie Pflügen und Dreschen, werden besser von Ochsen ausgeführt; 4. im Falle eines Un-