Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Die Bedeutung der Bodenreserve
Date
1930-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2379786-2379883-2379885-2390596--10052-2390749
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

kapital aufgehalten, es läßt sich noch nicht voraussagen, auf wie lange.) Wie man sich nun auch zum Problem der Heranziehung des internationalen Kapitals für Erez Israel stellen mag, eines ist klar: dieses Kapital kann für das Aufbauwerk nur dann nutzbringend werden, wenn es jüdische Arbeit verwendet. Um diese zu sichern, ist es unerläßlich, in der Nähe der auf kapitalistischer Basis gegründeten Unternehmungen Siedlungen zu errichten, wo die jüdischen Arbeiter menschenwürdige Wohn- und Lebensverhältnisse finden können. Das wird ihnen den Kampf um die Existenz und die Durchsetzung der jüdischen Arbeit wesentlich erleichtern. Die Voraussetzung aber ist das Vorhandensein von Bodenreserven in den entsprechenden Orten. Die Schaffung nationaler Bodenreserven ist noch von einem anderen Gesichtspunkte wichtig. Die Tendenz der Bildung jüdischen Großgrundbesitzes trat letztens immer mehr in Erscheinung, indem größere Flachen in den Händen einer kleinen Anzahl jüdischer Eigentümer konzentriert wurden. Einheitliche Flächen von Hunderten und sogar Tausenden von Dunam wurden von einzelnen Personen aufgekauft, um sie in großkapitalistischer Weise (Anlage von Pflanzungen usw.) zu verwenden. Das Problem der jüdischen Arbeit tritt hier mit besonderer Schärfe auf. Wenn man nicht rechtzeitig an die Komplikationen, die die Lohnarbeit bei uns, wie sonst in der ganzen Welt," mit sich bringen kann, denken und Abwehrmittel schaffen wird, können hier wirtschaftliche und soziale Erscheinungen auftreten, die sich in Zukunft zu einer Bedrohung des nationalen Siedlungswerkes auswachsen können. Das wirksamste Mittel zur Befestigung der jüdischen Arbeit besteht in der Gründung von Siedlungen, wo die Arbeiter in ihrem eigenen Hause wohnen und mittels einer kleinen Hilfswirtschaft ihre Seßhaftigkeit und Selbständigkeit leichter erreichen können. Diese Lösung wird aber für alle Zeiten unmöglich gemacht, falls man nicht in der Nähe dieser neu entstehenden kapitalistischen Zentren Bodenreserven schafft, die für die spätere Gründung von Arbeitersiedlungen geeignet sind. Die Intensivierung der Landwirtschaft wird in Palästina sicherlich immer größere Fortschritte machen. Der Orangenkultur werden weitere Monopolprodukte folgen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch rein industrielle Kulturen verschiedener Art im Lande erzeugt werden können, das heißt Produkte, die für eine industrielle Bearbeitung geeignet sind. Auf relativ kleinen Flächen werden Kulturen produziert werden, die einer größeren Anzahl von landwirtschaftlichen wie auch industriellen Arbeitern Beschäftigung bieten. Was heute in den auf Orangenkulturen aufgebauten Siedlungen vor sich geht, kann morgen in denjenigen entstehen, wo industrielle Kulturen gezogen werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.