Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Die Bedeutung der Bodenreserve
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Wohngelegenheiten in den Kolonien sind an sich äußerst schlecht und entsprechen keinesfalls auch nur den minimalsten Anforderungen der Wohnungshygiene. In Petach Tikwah hausen beispielsweise vier bis fünf Personen zusammen in fensterlosen Räumen. In Magdiel mußten die Arbeiter mangels menschlicher Wohnungen mit Ställen vorlieb nehmen. Ähnliche Beispiele könnte man für die meisten Siedlungen anführen. Die unvermeidlichen Folgen sind schädliche Wirkungen auf die Gesundheit der Familie, insbesondere auf die Entwicklung der Kinder. Bei einer derartigen Überfüllung ist es schwer möglich, die Wohnungen in einem sanitär befriedigenden Zustand zu halten, was eine Vermehrung der Krankheitsfälle nach sich zieht. Dazu kommt noch, daß die Mieten unerschwinglich hoch sind und im Durchschnitt 1 bis 1.5 £ monatlich pro Raum betragen. Die Wohnungsmiete verschlingt 30 bis 40% des Einkommens des Arbeiters (bei Familien mit mehreren Kindern noch mehr), ein auch in europäischen Städten mit größerer industrieller Bevölkerung und überfüllten Arbeiterquartieren unbekannter Zustand. Zum Vergleich sei erwähnt, daß in England 10%, in der Schweiz 13% und in Deutschland 18% des gesamten Einkommens eines Arbeiters für die Wohnung beansprucht werden. Die Situation würde sich ganz anders gestalten, wenn der Keren Kajemeth um und in den Kolonien Bodenreserven besäße. Diese zu schaffen, ist eine unumgängliche wirtschaftliche Notwendigkeit. Denn nur auf diese Weise werden die Bemühungen und Anstrengungen der Arbeiterschaft für die Durchsetzung des Prinzips der jüdischen Arbeit nicht vergeblich sein. Das, was bisher in Petach Tikwah und Rechoboth beobachtet werden konnte, setzte bereits in den neu entstandenen Zentren, wie Magdiel und Kfar Saba, ein. Dasselbe wird morgen überall da eintreten, wo neue Siedlungen auf der Grundlage der intensiven Kulturen, die eine größere Anzahl jüdischer Lohnarbeiter beschäftigen, gegründet werden. 3. Palästina tritt in das Stadium einer kapitalistischen Entwicklung. Neben dem mittleren Kapitalisten, welcher bisher den Hauptanteil an der Aufbauarbeit hatte, machte sich bereits das Auftreten des Großkapitals bemerkbar. Großkapital bedeutet unter Umständen internationales, das heißt auch nichtjüdisches Kapital. Man konnte bereits die ersten Anzeichen der Beteiligung des Großkapitals am Aufbau Palästinas konstatieren, und es besteht die Aussicht, daß mit der Entwicklung unserer Arbeit diese Beteiligung eine Verstärkung erfahren wird. (Die unglücklichen Ereignisse vom August 1929 haben den Zufluß von Groß-